Cyberangriff auf Bundestag

Auch Merkels Computer von Hackern angezapft

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Berlin - Beim Cyberangriff auf den Bundestag soll auch ein Rechner aus dem Bundestagsbüro von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) infiziert worden sein. Der Rechner sei einer der ersten gewesen, bei dem der Trojaner festgestellt wurde, schreibt die „Bild am Sonntag“.

Ein Sprecher der Unionsfraktion sagte: „Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.“ Auch zu der Frage, ob Daten von Merkels Rechner abgesaugt worden waren, wollte sich niemand aus Merkels Umfeld äußern.Die unbekannten Hacker hätten den Namen von Merkel auch für das Versenden von infizierten E-Mails benutzt. Bei Bundestagsabgeordneten sei vor einigen Tagen eine Mail im Postfach aufgetaucht, deren Absender sich „Angela Merkel“ genannt habe. Im Betreff sei es um eine Einladung zu einer Telefonkonferenz gegangen, der Link dazu infiziert gewesen. Die Bundestagsverwaltung warne deshalb die Parlamentarier im Intranet davor, die Links in den falschen Merkel-Mails anzuklicken.

Nach Medienberichten soll bis Freitagnachmittag bei insgesamt 15 Computern, die an das Bundestagsnetzwerk angeschlossen sind, der Trojaner festgestellt worden sein. Bei fünf Computern sei Datenabfluss nachgewiesen worden. Neben dem Rechner Merkels sind auch die Linken-Abgeordnete Inge Höger, der Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und Digitales, Martin Burkert (SPD), und Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) betroffen. Der SPD-Abgeordnete Burkert bestätigte das und sagte dazu: „Der Trojaner wurde bei mir nachgewiesen.“

Unterdessen sorgen Hinweise für Wirbel, Russland und China hätten streng geheime Dokumente des einstigen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden aufgespürt, ausgewertet und für eigene Zwecke genutzt. Dies berichteten britische Medien unter Hinweis auf wichtige Tippgeber in der Spitze der britischen Regierung und im Umfeld von Premierminister David Cameron.

Nach Informationen der Zeitung Sunday Times und der BBC hat Russland mehr als eine Million Geheimdokumente aus dem Snowden-Fundus geknackt. Auch China habe sich Informationen zu Daten beschaffen können, in denen es um die Arbeitsweisen der Geheimdienste in Großbritannien und den USA geht, schreibt die Sunday Times weiter.

Ein britischer Regierungsvertreter sagte: „Wir wissen, dass Russland und China Zugang zu Snowdens Material haben.“ Weil die beiden Länder Dateien lesen können, sei der britische Auslandsgeheimdienst MI6 gezwungen gewesen, Agenten aus Einsätzen in „feindlich gesinnten Ländern“ abzuziehen – aus Sorge, dass sie enttarnt werden könnten.

Der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald reagierte umgehend. Der Bericht in der Sunday Times sei gespickt mit vielen nachweislich falschen Fakten.

dpa

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