Neues Sicherheitskonzept

Bahn will Videoüberwachung ausweiten

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Foto: „Bahnmitarbeiter, die tatsächlich ansprechbar sind, den Menschen helfen und nach dem Rechten schauen, würden der Sicherheit sehr viel mehr dienen als Hunderte von Kameras“, so Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz.

Berlin - Die Deutsche Bahn will im neuen Jahr deutlich mehr Bahnhöfe per Video überwachen. Die Kameras seien kein Allheilmittel, aber eine wichtige Säule im Sicherheitskonzept, heißt es vonseiten des Unternehmens. Bis zu 700 Videokameras in rund 100 weiteren Bahnhöfen sollen die Säule weiter verstärken.

„Die Sicherheit unserer Kunden steht für uns im Mittelpunkt“, begründete der für die Konzernsicherheit zuständige Vorstand Gerd Becht den Ausbau.Zugriff auf die Daten hat allein die Polizei. Mit dem Sofortprogramm wolle der staatseigene Konzern die Beamten „bei der Bekämpfung von Straftaten schnell und unkompliziert unterstützen“, erläuterte Becht. Bis 2016 sollen bei der Bahn fast 60 Millionen Euro in Ausbau und Modernisierung der Videotechnik fließen. Rund 15 Millionen Euro entfallen davon auf die Bundespolizei, die im Bereich der Bahn für die Gefahrenabwehr zuständig ist. In einem Sechs-Jahres-Programm hatten Bundesinnenministerium, Bundespolizei und DB 2013 den Ausbau der Videotechnik vereinbart.

80 Prozent der Fahrgäste werden erfasst

Bislang werden auf etwa 140 Bahnhöfen im polizeilichen Auftrag Videobilder gespeichert. Dabei handelt es sich zumeist um die größeren Stationen. Nun geht es in die Fläche. Das Sofortprogramm sehe eine datenrechtlich abgesicherte lokale Speicherung von bis zu 72 Stunden vor, meldet die Bahn. Insgesamt hat sie 4800 Kameras an 640 Bahnhöfen im Einsatz, dazu 18.000 „Videoaugen“ in Regional- und S-Bahnzügen. Damit würden schon heute 80 Prozent der Fahrgastströme erfasst. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die geplanten Kamerainstallationen. „Das bedeutet einen Zugewinn an Sicherheit“, sagte der Gewerkschaftsvize und Bezirksvorsitzende der Bundespolizei, Jörg Radek, dieser Zeitung. Entscheidend sei, wo die Kameras aufgestellt würden.

Der gläserne Bahnhof

Der Gewerkschafter plädierte dafür, nicht nur die Bahnsteige zu erfassen, sondern genauso die sogenannten Angsträume wie Aufgänge, Ausgänge oder Unterführungen. Vom gläsernen Bahnhof könne keine Rede sein, wies er etwaige Bedenken zurück. Zudem könnten die Kameras nur eine Ergänzung zum dringend benötigten Personal sein. „Bei der Bundespolizei fehlen insgesamt rund 2600 Beamte“, beklagte Radek. Die Bundespolizei hat eine Stärke von 38.000 Polizisten. 5000 von ihnen sind für die Sicherheit im Bahnbereich zuständig.

Auf mehr Personal setzt ebenso der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz. „Bahnmitarbeiter, die tatsächlich ansprechbar sind, den Menschen helfen und nach dem Rechten schauen, würden der Sicherheit sehr viel mehr dienen als Hunderte von Kameras.“ Die Bahn gibt alles nach eigenen Angaben rund 160 Millionen Euro jährlich für die Sicherheit aus.

Was meinen Sie? Die Deutsche Bahn will im neuen Jahr deutlich mehr Bahnhöfe per Video überwachen – bis zu 700 Kameras in 100 weiteren Stationen sollen das Sicherheitskonzept stärken. Eine gute Idee? Ja. Kameras schrecken Verbrecher ab und helfen bei der Aufklärung von Straftaten. Nein. Videoüberwachung täuscht Sicherheit nur vor. Sie sollte soweit wie möglich begrenzt werden. Die Bahn wird am besten wissen, ob das notwendig ist. // set a new cookie with expiry ten minutes function setPollCookie() { expiry = new Date(); expiry.setTime(expiry.getTime()+(10*60*1000)); document.cookie = "LastURIPoll=;path=/;expires=" + expiry.toGMTString(); }

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