Der dritte US-Präsident aus einer Familie?

Wie befreit steigt Jeb Bush in die Arena

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Foto: Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush will der dritte US-Präsident aus seiner Familie werden.

Miami - Jeb Bush will der nächste Präsident der USA werden - und damit schon der dritte aus seiner Familie nach Vater George H. W. und Bruder George W. Damit rückt ein Wahlkampfduell der Politikdynastien mit Hillary Clinton näher.

Krawatte und Sakko bleiben im Schrank. Es schwingt eine entspannte Stimmung mit, als Jeb Bush auf die Bühne eilt. Als würde er sich lediglich einer neuen Nachbarschaft vorstellen, bemüht sich der Politiker um möglichst viel Nähe zu den etwa 3000 Anhängern, die dicht gedrängt in der Halle des Kendall-Campus in Miami stehen: Der frühere Gouverneur von Florida gibt an diesem Montag offiziell seine Kandidatur bekannt und bringt damit das Rennen um das Weiße Haus so richtig in Fahrt.

Ein Duell der Dynastien?

Ein Wahlkampfduell Bush gegen Clinton, das Ringen der Politikdynastien, rückt nach diesem Auftritt in greifbare Nähe. Der Präsidentensohn und Präsidentenbruder, der auf manchen bisher wie betäubt wirkte, auf andere eher steif und unnahbar, hat sich offenbar von all dem Erwartungsdruck gelöst. John Ellis, wie er eigentlich mit Vornamen heißt, wirkt wie befreit.

Sein verändertes äußeres Erscheinungsbild passt zum Tag. Die Diät, der er sich seit Jahresanfang unterzieht, bekommt ihm offenbar gut. Die Gesichtskonturen treten wieder deutlicher zutage, der gesamte Körper des 62-Jährigen erscheint dynamischer. Befreit hat er sich offenbar vom Übergewicht - und von inhaltlichem Ballast: Bush wirbt offensiv um all die Minderheiten im Land, beschreibt mitfühlend das Schicksal der sozial Schwachen und ruft zur "Reparatur Amerikas" auf.

Die Stimmung im Saal steigt, als der Wahlkämpfer sein Redemanuskript zur Seite schiebt und spontan auf protestierende Lateinamerikaner eingeht, die für eine grundlegende Reform der Einwanderungsgesetze demonstrieren. Mühelos spricht der Frontmann der Republikaner die Gäste auf Spanisch an: "Kommt auf unsere Seite. Wir wollen Chancen für alle schaffen, die die Freiheit lieben und für die edle Sache Amerikas streiten."

Patriotismus gehört zum guten Ton

Pathos und Patriotismus gehören in den USA zum guten Ton eines jeden Wahlkämpfers, aber die Art und Weise, wie Bush um die wachsende lateinamerikanische Minderheit wirbt, dürfte auf viele Zuwanderer und ihre Nachkommen überzeugend wirken.

Anders als bei früheren Republikaner-Veranstaltungen streichen die Regisseure der großen Bush-Show an diesem Nachmittag die Vielfalt des Landes heraus: Zunächst erzählt eine kubanisch-stämmige Frau, wie ihr die Schulreform unter Gouverneur Bush geholfen habe, dann spricht ein afroamerikanischer Geistliche das Gebet. Auch im Publikum finden sich - anders als bei bisherigen Parteitagen der "Grand Old Party" - zahlreiche Afroamerikaner, Latinos und Asiaten.

Die Analysten des US-Senders CNN stellen denn auch unmittelbar nach der Rede fest, dass Bush für seine neue Aufgabe "brenne", und dass es gar nicht so einfach werde, die Unterschiede zwischen Bush und Hillary Clinton auf die Schnelle zu beschreiben: Beide würden die Sorgen und Nöte der arbeitenden Mittelklasse ins Zentrum ihrer Kampagne stellen. Und beide würden beklagen, dass sich die Löhne und Gehälter der Durchschnittsfamilien in den vergangenen 15 Jahren kaum verbessert hätten. Bush vermeidet zwar Kampfbegriffe wie "Oligarchen" und spricht nicht von der Gefahr, dass die Demokratie durch Milliardäre bedroht werde. Aber letztlich ist die zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft auch sein großes Thema.

Auf Distanz zu seinem Bruder

Ein Grundtenor, der den Bushs ohnehin nicht fremd ist: Bevor sich sein Bruder George W. durch die Terrorangriffe vom 9. September 2001 zu einer radikalen Änderung seiner Agenda gezwungen sah, sprach auch der 43. Präsident viel vom "mitfühlenden Konservatismus". Jeb Bush, der offensichtlich möglichst weit auf Distanz zu seinem umstrittenen Bruder gehen will, bleibt mit seinen Konzepten der Familientradition treu.

Allerdings stellt sich auch für ihn die Frage der Glaubwürdigkeit. Als Gouverneur von Florida erwirtschaftete er innerhalb von acht Jahren einen bemerkenswerten Haushaltsüberschuss. Zu den Leidtragenden dieser Rosskur zählten aber die Schwachen der Gesellschaft: Unzählige Sozialprogramme wie die kostenlose Lebensmittelverteilung an Bedürftige ließ Bush zusammenstreichen. Und die Metropole Miami, für die Bush lange Zeit mitverantwortlich war, verzeichnet angesichts der unzähligen Touristen einen lange anhaltenden Bauboom - und zählt zugleich mit zu den ärmsten Metropolen Amerikas.

Nichtsdestotrotz steht für viele Beobachter nach den ersten großen Reden der Bewerber fest: Hillary Clinton und Jeb Bush dominieren das Feld. Aber entschieden ist noch nichts. Der Vorwahlkampf zum Präsidentschaftsrennen 2016 hat gerade erst begonnen. Wer letztendlich als Kandidat der Demokraten und als Kandidat der Republikaner auf den Schild gehoben wird, bleibt offen. Es deutet sich lediglich eine Wahlschlacht der Superlative an.

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