Kampf gegen Klinik-Keime

Berlin verlangt mehr Hygiene

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Hannover - Jedes Jahr sterben in deutschen Krankenhäusern bis zu 15.000 Patienten an einer Infektion mit gefährlichen Keimen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will nun den Kampf gegen multiresistente Krankheitserreger verstärken – also gegen Keime, die widerstandsfähig gegen Antibiotika sind.

Ein Zehn-Punkte-Plan sieht unter anderem vor, die Meldepflichten für Kliniken zu verschärfen, wie eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin sagte. Gefährliche Erreger müssten danach bereits beim ersten Nachweis gemeldet werden. Kliniken sollen verpflichtet werden, regelmäßig über ihre Hygienestandards zu informieren. Kliniken in der Region – etwa die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) – befürworten die Initiative.

In den Krankenhäusern sollen verbindliche und einheitliche Empfehlungen für das sogenannte „Screening“ – die Untersuchung von Risikopatienten – gelten. Bei den Untersuchungen sollen Standards des Robert-Koch-Instituts angewandt werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gröhe-Plans ist die Verbesserung der Hygiene in den Einrichtungen. Der Bund hat ein Hygiene-Förderprogramm im Umfang von 365 Millionen Euro aufgelegt. Überdies soll es verpflichtende Fortbildungen des medizinischen Personals geben.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Hilde Mattheis, begrüßt das Vorhaben des Gesundheitsministeriums – dringt jedoch auf Nachbesserungen: „Wir fordern ein generelles Screening für alle Patienten. Diese präventive Maßnahme ist immer billiger als teure Nachfolgetherapien“, sagte Mattheis der HAZ. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, bezeichnete Gröhes Pläne als „ehrgeizig“. Er bemängelte jedoch, dass Vorschläge für eine solide Finanzierung fehlten.

„Wir warten nicht ab, bis das Gesetz einer erweiterten Meldepflicht beschlossen worden ist“, erklärte Uwe Mai, Leiter des Hygieneinstituts des Klinikums Region Hannover (KRH). Schon jetzt sei das KRH darauf vorbereitet, in Kürze alle verfügbaren Daten an das Robert-Koch-Institut zu liefern. Seit einem Jahr würden alle Risikopatienten der Intensivstationen im Klinikum Siloah und im Lehrter Krankenhaus auf multiresistente Keime getestet, sagte Mai. Demnächst soll dieses Verfahren auf alle Häuser des KRH ausgeweitet werden.

Zu den Risikopatienten zählt das KRH unter anderem Patienten mit chronischen Wunden, direktem beruflichen Kontakt zu Tieren in der Landwirtschaft, Dialysepatienten sowie chronisch Pflegebedürftige. In der Region Hannover wurde bereits vor drei Jahren das „MRSA-plus-Netzwerk“ gegründet, in dem Kliniken, aber auch Krankenkassen, Ärztekammer, Apothekerkammer und der Fachbereich Gesundheit zusammenarbeiten. Die Medizinische Hochschule Hannover wies darauf hin, dass bei ihr schon heute ein Screening bei den Patienten auf multiresistente Keime üblich sei. Das Hygienefachpersonal der MHH berate und schule Ärzte und Pflegepersonal im Umgang mit multiresistenten Keimen.

Von Frank Lindscheid und Veronika Thomas

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