Erste Flüchtlingsfamilien ziehen ein

Bewährungsprobe für Tröglitz

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Foto: Die mit ihrer Familie aus Afghanistan geflüchtete Fariba Gorbani ist Neubürgerin von Tröglitz.

Tröglitz - Das Thema Asyl wird in Tröglitz monatelang hitzig diskutiert. Die Situation eskaliert. Der Bürgermeister tritt zurück. Die geplante Flüchtlingsunterkunft brennt. Jetzt beginnt der Praxistest, ob und was der Ort aus den Vorfällen gelernt hat.

Monatelang waren sie vor Not und Krieg auf der Flucht. Heute aber lächeln sie. Die drei Familien aus Afghanistan und Indien sind die ersten Flüchtlinge, die im kleinen Tröglitz im Süden Sachsen-Anhalts leben. Ja, die Flüchtlinge wurden über den Brandanschlag auf die frisch sanierte, noch leerstehende Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz Anfang April informiert, sagt Landrat Götz Ulrich (CDU).

"Die Familien hätten den Umzug ablehnen können", so Ulrich. Doch sie wollten kommen. Nach Tröglitz, und an diesem Tag vor all die Kameras.

Mit der Ankunft der neun Menschen beginnt eine Bewährungsprobe für den Ort. Aber es ist auch eine zweite Chance. Das sagt der wohl bekannteste Tröglitzer, der ehemalige ehrenamtliche Ortsbürgermeister Markus Nierth. Er war Anfang März zurückgetreten, um seine eigene Familie zu schützen. Damals sollten eine rechte Demonstration gegen die Asylpläne genau vor seiner Haustür entlang führen.

Verständigung mit Händen und Füßen

Jetzt kümmert sich Nierth um die sechs afghanischen Neuankömmlinge. Er und seine Frau Susanna haben die Patenschaft für sie übernommen, waren schon mit ihnen einkaufen, üben mit ihnen die ersten deutschen Worte. "Im Moment verständigen wir uns dabei noch mit Händen und Füßen - und mit Hilfe von Online-Wörterbüchern", erzählt Susanna Nierth.

Wer damals, kurz nach dem Rücktritt von Nierth, das frisch sanierte Flüchtlingsheim angezündet hat, ist immernoch nicht geklärt. Es gebe auch jetzt noch Anfeindungen von Rechten, berichtet Susanna Nierth. Einen hundertprozentigen Schutz könne niemand garantieren, betont Landrat Ulrich.

Das Sicherheitskonzept soll geheimbleiben, damit es möglichst wirksam ist. An die ständige Polizeipräsenz im Ort haben sich die Bewohner schon gewöhnt. Alle paar Minuten fährt gut sichtbar ein Polizeitransporter durch den Ort. Neu-Patin Susanna Nierth sagt: "Wir alle müssen wachsam sein. Es ist gut, dass die Entwicklungen in Tröglitz genau beobachtet werden."

dpa

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