"Wer jetzt noch immer nicht hören will..."

Bürgermeister wegen Asylpolitik niedergeschlagen - Weitere Droh-Mail

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Joachim Kebschull, Bürgermeister von Oersdorf, wurde brutal niedergeschlagen.

Segeberg - Weil er Flüchtlinge aufnehmen wollte, wurde der Bürgermeister einer norddeutschen Gemeinde niedergeschlagen. Jetzt kam eine weitere bedrohliche Nachricht an.

Unmittelbar vor einer Sitzung des Bauausschusses von Oersdorf nördlich von Hamburg wurde dem 61-Jährigen aufgelauert. Der Täter habe dem Bürgermeister von hinten mit einem Knüppel oder einem Kantholz auf den Kopf geschlagen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Der Unbekannte konnte fliehen. Bei der Ausschusssitzung am Donnerstagabend sollte es auch um die Unterbringung von Flüchtlingen gehen.

Vor dem Gemeindehaus von Oersdorf wurde der Bürgermeister niedergeschlagen.

Ein fremdenfeindlicher Hintergrund der Tat ist nach Angaben der Polizei nicht auszuschließen. Der Bürgermeister erlitt demnach nur leichte Verletzungen. Er konnte bereits vernommen werden. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz des Landes Schleswig-Holstein ermittelt. Zu dem Motiv sagte der Sprecher, es könne auch ein anderer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden. Die Wählervereinigung, der der Bürgermeister angehört, wollte sich am zunächst nicht zu dem Vorfall äußern.

Weitere Droh-Mail: "Aus Knüppel wird Hammer, aus Hammer wird Axt"

Nach der Attacke ist eine weitere Drohung per E-Mail eingegangen. „Wer jetzt noch immer nicht hören will, wird bestimmt lieber fühlen“, heißt es in einem Schreiben, das der frühere Bürgermeister Wilfried Mündlein am Freitagmorgen erhalten hat. „Aus Knüppel wird Hammer, aus Hammer wird Axt“, heißt es darin weiter.

Mündlein brachte das Schreiben am Freitag zu einem Treffen mit Landesinnenminister Stefan Studt (SPD) mit. Die Mail stammt den Angaben zufolge von einem österreichischen Provider. Mündlein war von 1994 bis 2013 Bürgermeister in der Gemeinde..

Schon am Donnerstag kam ein Drohbrief an

Schon am Donnerstag hatte der Bürgermeister nach Angaben des Polizeisprechers einen Drohbrief erhalten - mit den Worten: „Wer nicht hören will, muss fühlen“ und „Oersdorf den Oersdorfern“. Bereits seit Monaten erreichten ihn immer wieder Drohungen. Nach einer früheren Mitteilung der Oersdorfer Wählervereinigung mussten wegen Bombendrohungen zweimal die Sitzungen des Bauausschusses ausfallen.

Hintergrund der Einschüchterungsversuche ist demnach die Erwägung, Flüchtlinge in ein Haus im Ort einziehen zu lassen. Die Polizei habe die Ausschusssitzung am Donnerstagabend gesichert, sagte der Sprecher. Der Bürgermeister habe aber etwas abseits geparkt und sei dort attackiert worden.

Bauausschuss wollte Unterbringung von Asylbewerbern beschließen

Auf der Website der Wählervereinigung hieß es vor dem Vorfall bereits, Oersdorf habe nicht in gutem Sinne von sich reden gemacht. Es habe massive Einschüchterungsversuche gegeben, weil der Ausschuss einen Beschluss zur Unterbringung von Asylbewerbern fassen wollte.

dpa

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