Neue Seidenstraße

China will neue "regionale Ordnung" aufbauen

+
Der chinesische Premier Li Keqiang (rechts) spricht mit dem indonesischen Präsidenten Joko Widodo in Peking. Foto: Feng Li Pool

Bo'ao - Mit einer Entwicklungsbank und "Neuen Seidenstraße" will China die multipolare Weltordnung aktiv mitgestalten. Die USA verfolgen Pekings Ambitionen eher kritisch. Kann Xi Jinping die Sorgen zerstreuen?

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat zu verstärkter Kooperation in Asien aufgerufen.

"Wir müssen gemeinsam eine regionale Ordnung schaffen, die besser zu Asien und zum Rest der Welt passt", sagte der Präsident am Samstag in einer Rede zum Auftakt des asiatischen Wirtschaftsforums in Bo'ao auf der südchinesischen Insel Hainan. Er verwies auf die gegenseitigen Abhängigkeiten und die Ungewissheiten in der globalen Wirtschaft.

Auch in der "neuen Normalität" mit einem langsameren Wachstum biete China anderen Ländern noch große wirtschaftlichen Möglichkeiten. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wolle nachhaltiger wachsen. "Sieben Prozent Wachstum wären ziemlich beeindruckend", sagte der Präsident zu dem neuen Wachstumsziel, das die Regierung im März von 7,4 Prozent im Vorjahr heruntergeschraubt hatte.

Xi Jinping warb für Chinas Initiativen einer "Neuen Seidenstraße" mit dem Aufbau von Wirtschaftskorridoren bis nach Europa und die geplante Asiatische Infrastrukturinvestment-Bank (AIIB). Die neue Entwicklungsbank stehe allen Ländern offen, betonte Chinas Präsident.

Deutschland, andere europäische Länder oder auch Südkorea wollen in der Infrastrukturbank mitmachen, während die USA das Vorhaben kritisch sehen. Den Sorgen, dass die Bank zu einer Konkurrenz für Weltbank oder Asiatische Entwicklungsbank (ADB) werden könnte, entgegnete Xi Jinping, China suche eine "koordinierte Entwicklung" mit den anderen multilateralen Finanzinstituten.

Die Bank mit Sitz in Peking, die China mit 50 Milliarden US-Dollar startet, dürfte am Ende über rund 100 Milliarden US-Dollar Kapital verfügen. Ferner stellt die chinesische Regierung in einem "Seidenstraßenfonds" weitere 40 Milliarden US-Dollar bereit, um ein Infrastrukturnetz über Zentralasien oder Schifffahrtswege auszubauen.

Das politische Ziel sei die "aktive Mitgestaltung" einer multipolaren Weltordnung, sagte der Experte Moritz Rudolf vom China Institut Merics in Berlin. "China macht den USA zunehmend Konkurrenz." Es könnten die Grundlagen chinazentrierter Produktionsnetzwerke gelegt und die Auftragsbücher großer Staatsunternehmen gefüllt werden.

Durch die Erschließung neuer Handelsrouten, Absatzmärkte und Energiequellen hoffe China auf Wachstumsimpulse und wolle seine Abhängigkeit von einzelnen Staaten und Märkten verringern, sagte Rudolf. In einigen Industriezweigen sei der Export über den Landweg nach Europa günstiger und schneller als über den Seeweg. "Chinas Position als Handelsmacht würde so gestärkt", sagte Rudolf.

Die jährliche Konferenz in Bo'ao mit Staats- und Regierungschefs, Spitzenmanagern und Experten ist in diesem Jahr so ranghoch besetzt wie nie zuvor seit ihren Anfängen 2002. Das Treffen gilt als das asiatische Gegenstück zum Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos.

Die 2800 Teilnehmer reichen von Indonesiens Präsident Joko Widodo über Schwedens Ministerpräsident Stefan Lofven und Österreichs Präsident Heinz Fischer bis hin zu Microsoft-Gründer Bill Gates. Zum Auftakt sprachen Xi Jinping und der Generalsekretär des Treffens, Zhou Wenzhong, den Familien der Opfer des Absturzes der Germanwing-Maschine in Frankreich

ihr Mitgefühl aus.

dpa

Bo'ao Forum

Xinhua zu Bo'ao Forum

Xinhua zur Neuen Seidenstraße

EU-Institute for Security Studies zu Neue Seidenstraße

Kommentare