Streit um Kolonial-Statuen in Afrika

Uni entfernt umstrittene Rhodes-Statue

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Kapstadt - Die Statue des weißen Kolonialisten Cecil John Rhodes sorgt in Südafrika für Streit. Schwarze Aktivisten wollen solche Denkmäler der früheren Unterdrücker im ganzen Land verschwinden sehen.

Nach anhaltenden Protesten von zumeist schwarzen Studenten und Aktivisten hat die Universität Kapstadt am Donnerstag die Statue eines weißen Kolonialisten von ihrem Campus entfernt. Der Streit um die Büste von Cecil John Rhodes hatte Südafrika über Wochen in Atem gehalten. Die Gegner sahen darin ein Symbol der Unterdrückung der schwarzen Mehrheit. Der Universitätsrat hatte der Entfernung der 1,5 Tonnen schweren Bronze-Statue am Mittwochabend zugestimmt. Über ihre endgültige Verwendung muss ein Denkmalschutzamt entscheiden.Demonstranten hatten die Statue im vergangenen Monat mit Kot überhäuft.

In der Nacht zum Donnerstag beschmierten Unbekannte auch eine Statue des früheren Generals und Politikers Louis Botha vor dem Parlament in Kapstadt. In der Hauptstadt Pretoria wurde diese Woche zudem eine Statue des früheren Präsidenten Paul Kruger beschmiert.

Forderung nach Gleichberechtigung

Auch eine Statue des britischen Königs George VI. in Durban wurde unlängst zum Ziel von Vandalen. Vertreter der weißen Bevölkerungsgruppe forderten die Regierung auf, sich auch für den Schutz des kulturellen Erbes der Minderheit einzusetzen. Der bittere Streit um den Platz der Weißen in Südafrikas Geschichte zeigt, wie schwierig es für viele schwarze Südafrikaner ist, die von Anti-Apartheid-Ikone Nelson Mandela geforderte Kultur der Versöhnung zu leben.

Große Teile der schwarzen Bevölkerung Südafrikas leben immer noch in Armut, dagegen sind Angehörige der weißen Minderheit zumeist bessergestellt. Die schwarze Bevölkerungsmehrheit erlangte erst nach der Abschaffung des rassistischen Apartheid-Systems 1994 völlige Gleichberechtigung.

Kolonialherr Rhodes

Der Brite Rhodes war als Geschäftsmann im 19. Jahrhundert führend an der Ausbeutung der Bodenschätze des südlichen Afrikas beteiligt. Er war einer der Gründer des Diamantenkonzerns De Beers und erschloss für die britische Krone auch das heutige Simbabwe, das er nach sich selbst „Rhodesien“ benannte. Als Regierungschef der damaligen Kap-Kolonie legte er nach Ansicht vieler Historiker auch den Grundstein des rassistischen Apartheid-Systems. Er starb 1902.

dpa

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