Debatte um Schulbeginn

Ex-Familienministerin kämpft fürs Ausschlafen

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Foto: Löbliches Ansinnen: Familienministerin Kristina Schröder will Schüler morgens länger schlafen lassen.

Hannover - Kristina Schröder kämpft für einen späteren Beginn des täglichen Schulunterrichts. Die frühere Bundesfamilienministerin wirbt in ihrem Wahlkreis Wiesbaden dafür, dass Schüler nicht mehr länger aus ihrer Tiefschlafphase gerissen werden.

Man stellt sich Kristina Schröder nicht unbedingt als Langschläferin vor. Wer im Alter von 37 Jahren auf 13 Jahre als Abgeordnete im Bundestag und eine Legislaturperiode davon als Bundesministerin zurückblicken kann, wird nicht allzu oft die Gelegenheit gehabt haben, sich morgens noch einmal umzudrehen. Nach dem Ausscheiden aus dem Kabinett 2013 legt die streitbare ehemalige Familienministerin aber offenbar nun mehr Augenmerk auf ausreichend Schlaf. Als Bundestagsabgeordnete kämpft sie in ihrem Wahlkreis Wiesbaden mit Verve darum, dass die Schulen später mit dem Unterricht beginnen.

„Mit unserem Schulbeginn um 8 Uhr oder sogar noch früher muten wir unseren Kindern einiges zu“, erklärt die CDU-Politikerin aktuell auf ihrer Internetseite. Spätestens im Jugendalter würden die meisten Kinder „chronobiologisch zu sogenannten Eulen, also Spätaufstehern, die abends lange fit bleiben und erst spät einschlafen können“. Für diese Schüler bedeute ein früher Schulbeginn, dass sie gegen 6.30 Uhr „mitten aus ihrer Tiefschlafphase gerissen werden“.

Schröder, die selbst mittlerweile zweifache Mutter ist, legt Wert auf die Feststellung, dass es ihr nicht um ihre eigenen Kinder gehe. Die seien auch noch gar nicht im schulfähigen Alter. Und doch kennt die CDU-Politikerin, die schon mit zwölf Jahren glühende Verehrerin des damaligen Kanzlers Helmut Kohl war, die Störungen in der morgendlichen Tiefschlafphase aus eigener Erfahrung. Sie habe die ersten Schulstunden als „quälend“ in Erinnerung, erzählte sie dem „Spiegel“. In ihrem Wahlkreis im hessischen Wiesbaden organisiert die CDU-Politikerin deshalb nun Diskussionsveranstaltungen mit Chronobiologen und klärt über den „zirkadianen Rhythmus“ des Menschen auf - womit vor allem die Unterscheidung von Lerchen-Typen (gehen früh ins Bett und stehen früh auf) und Eulen-Chronotypen (spät ins Bett, spät aus dem Bett heraus) gemeint ist.

Eulen-Typ Schröder sieht ihre Chronogattung in Deutschland kulturell benachteiligt. Obwohl Forscher herausgefunden hätten, dass ausgeschlafene Kinder leistungsfähiger, gesünder und stressresistenter seien, sei frühes Aufstehen in Deutschland noch immer eng mit Redlichkeit, Fleiß und Disziplin verbunden, erklärt die Bundestagsabgeordnete, die als erste Ministerin in Elternzeit gegangen ist. Schon deshalb hielten viele an den unsinnigen Schulzeiten fest. Schröder appelliert an Eltern und Lehrer, sich für den späteren Schulbeginn zu engagieren - und gleichzeitig eine Betreuung bis zur ersten Stunde sicherzustellen.

Im Bundestag allerdings kann die CDU-Abgeordnete, die sich einst als Unterstützerin des umstrittenen Betreuungsgelds, Gegner der Frauenquote und einem neuen Fokus auf die Jungenförderung unbeliebt gemacht hat, gegen die Lerchenhaftigkeit der deutschen Schulpolitik wenig ausrichten. Denn Bildungsfragen wie diese sind in Deutschland Ländersache.

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