EU-Resolution gegen Weltfußballverband

Fifa-Korruption ist "verachtenswert"

+
Korruptionsskandal bei der Fifa

Brüssel - Bei der Fifa herrsche eine "Kultur der Korruption": Mit ungewöhnlich harschen Worten will das EU-Parlament die Fifa verurteilen. Eine entsprechende Resolution geht morgen in die Abstimmung. Auch die Weltmeisterschaften in Katar und Russland müssten überdacht werden.

Mit ungewöhnlich harschen Worten reagiert das EU-Parlament auf den aktuellen Korruptionsskandal bei der Fifa. In einer Resolution, die die Parlamentarier am morgigen Donnerstag verabschieden wollen, nennen sie die Vorgänge im Weltfußballverband "verachtenswert" und "alles andere als überraschend". Korruption in der Fifa sei "zügellos, sytematisch und tief verwurzelt".

Die bereits zwischen den Fraktionen abgestimmte Fassung, die der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vorliegt, enthält konkrete Forderungen und nimmt außerdem Stellung zu den Weltmeisterschaften in Katar und Russland. Die Zustimmung des Parlaments zur Resolution gilt als wahrscheinlich. Allerdings können die Fraktionen am Mittwochabend letzte Änderungsanträge einreichen.

Die Resolution, die auf die Initiative der Grünen-Abgeordneten Helga Trüpel zurückgeht, begrüßt den Rücktritt von Fifa-Präsident Sepp Blatter, fordert jedoch weiter, dass alle Repräsentanten, denen "finanzielles Fehlverhalten" nachgewiesen werden könne, ihren Platz zu räumen hätten. Ebenso müssten Entscheidungen, die mit Korruption und kriminellen Vorgängen in Verbindung gebracht werden, "neubewertet" werden. "Die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 könnten sich als ungültig erweisen, sollten Beweise auftauchen, dass die Zuschläge das Resultat von Korruption sind", heißt es.

"Die Chancen stehen gut, dass die europäischen Volksvertreter morgen sehr deutliche Worte an die FIFA richten werden", sagte die Menschenrechtspolitikerin Barbara Lochbihler (Grüne). "Das zeigt: Auch das Europäische Parlament tritt für eine lückenlose Aufklärung aller Korruptionsvorwürfe, für einen radikalen Umbau großer Sportverbände - und gegebenenfalls für eine Neuvergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ein."

Der Text spricht von einer "Kultur der Korruption" im Fußballweltverband und stellt konkrete Forderungen. So solle ein unabhängiges Kontrollorgan eingerichtet werden; der Bericht des Fifa-Ermittler Michael J. Garcia müsse endlich veröffentlicht werden. Auch andere Großorganisation werden in die Pflicht genommen: Das Internationale Olympische Komitee, Fifa und UEFA müssten dafür sorgen, dass Austragungsländer sich an "internationalen Standards hinsichtlich grundlegender Rechte" halten. Von Menschen- und Arbeiterrechten ist nicht die Rede.

Ann-Kathrin Seidel

Kommentare