Nach Germanwings-Unglück

UN fordern Spezialtests für Piloten

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Foto: Schon jetzt ist es so, dass sich Piloten regelmäßig medizinisch untersuchen lassen müssen.

Montréal - Vor dem Hintergrund des Dramas um die abgestürzte Germanwings-Maschine haben die UN regelmäßige medizinische Spezialtests von Piloten gefordert. Diese Untersuchungen müssten sowohl die psychische als auch die körperliche Fitness der Piloten prüfen, teilte die Internationale Zivilluftfahrt­organisation (ICAO) mit.

Die ICAO erklärte, die Untersuchungen müssten von Ärzten vorgenommen werden, die auf die besonderen gesundheitlichen Anforderungen im Luftverkehr spezialisiert seien. Falls die Ergebnisse Anlass zur Sorge gäben, müssten „noch speziellere“ Untersuchungen stattfinden. Dann müssten auch neuropsychologische Checks in Erwägung gezogen werden.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD), kündigte an, alle Sicherheitsbestimmungen im Flugverkehr auf den Prüfstand zu stellen. „Wir hinterfragen alles“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Debattiert werden müsse unter anderem darüber, welche Hilfsangebote es für das Personal bei physischen oder psychischen Problemen gebe und ob diese ausreichten. Burkert kündigte an, dass sich der Ausschuss insgesamt stärker dem Luftverkehr widmen werde.

Schon jetzt ist es so, dass sich Piloten regelmäßig medizinisch untersuchen lassen müssen. Die Fluggesellschaften lassen Bewerber zudem in Auswahlverfahren psychologisch umfangreich testen. Piloten von Verkehrsflugzeugen brauchen in Europa ein Flugtauglichkeitszeugnis, das anhand genau festgelegter Kataloge vergeben wird. Das Zeugnis gilt je nach Alter zwölf oder sechs Monate, dann muss es erneuert werden. Bestandteil der Tests sind körperliche Untersuchungen wie Blut- und Urintests sowie je nach persönlichem ­Alter und Gesundheitsstatus eventuell auch weitere Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege und der Sehkraft. Bewerber und Piloten sind außerdem verpflichtet, ihre Krankengeschichte offenzulegen und die Flugmediziner über alle Leiden zu informieren.

Die EU-Regeln legen explizit fest, dass die Experten ein Flugtauglichkeitszeugnis erst dann ausstellen oder verlängern dürfen, wenn der Pilot die entsprechenden Angaben gemacht und sämtliche eventuell zusätzlich angeforderten Berichte zugänglich gemacht hat.

Die Aufnahmebedingungen bei der Lufthansa gelten als besonders streng. Von jährlich bis zu 6000 Bewerbern kommen nur wenige Hundert durch. Während der Ausbildung wird ständig weiter aussortiert. Nur wer alle Prüfungen besteht, darf am Ende ins Cockpit.

von Claudia Horn und Sebastian Bronst

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