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SPD hadert mit der K-Frage

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Foto: Tritt Sigmar Gabriel gegen Angela Merkel an?

Berlin - Wird SPD-Chef Sigmar Gabriel trotz äußerst bescheidener Umfragewerte für seine Partei der nächste Kanzlerkandidat? Am Dienstag waberten Hinweise durch Berlin, die SPD-Spitze könne sich womöglich schon auf diese Lösung festgelegt haben. Doch alle offiziellen Stimmen weisen das energisch zurück.

Die Partei solle sich „lieber auf unsere strukturellen Schwächen konzentrieren als auf Personalspielchen“, erklärte SPD-Vize Ralf Stegner. Allerdings wächst in der Partei der Erwartungsdruck: In zwei Jahren spätestens dürfte das Land schon in Wahlkampfstimmung vor der nächsten Bundestagswahl sein, und die SPD bleibt bisher, trotz inhaltlicher Erfolge in der Großen Koalition, bei 27 Prozent in den Umfragen hängen. Die Union hingegen liegt mit 41 Prozent deutlich vor ihr.

Wird die Kanzlerfrage gestellt, so beträgt der Abstand zwischen Amtsinhaberin Angela Merkel und Gabriel 50 Prozentpunkte. Wiederholt mussten Gabriel und seine Parteifreunde in der SPD-Spitze erleben, wie Mutmaßungen verbreitet wurden: dass Gabriel die nächste Bundestagswahl schon verloren gegeben habe, dass Martin Schulz, der Präsident des Europaparlamentes, womöglich nächster Kanzlerkandidat wird. Es wird jedoch auch immer wieder die Frage aufgeworfen, ob sich Gabriel als Parteichef einer Kandidatur überhaupt entziehen kann. Als Argument wird dabei genannt, dass es ein Zeichen von Führungsqualität sei, sich in einer scheinbar ausweglosen Lage selbst zur Verfügung zu stellen – damit nicht der Eindruck entsteht, das Spitzenpersonal drücke sich vor der Verantwortung.

Wenn man jede Woche auf die neuesten Umfragewerte schaue, „könnte man wahnsinnig werden“, hieß es von Gabriel im Februar dieses Jahres bei der Führungsklausur im brandenburgischen Nauen. Kolportiert von dort wurde die Botschaft des Vorsitzenden, ein Wahlerfolg im Jahr 2017 sei aussichtslos. Eingepackt im Sandwich zwischen CDU/CSU, Grünen und Linken „bleibt uns nur ein Potenzial von 27 Prozent“. Seit vergangenem Sonntag, als nach einer sechsstündigen Spitzenrunde der Koalition im Kanzleramt die SPD den Verhandlungssaal verließ, sind die Sozialdemokraten in Bund und Ländern aber bemüht, die Geschichte einer neu ermutigten Partei zu erzählen.

„Wer 2017 für die SPD antritt, muss auch gewinnen wollen“, hat Gabriel in jüngerer Vergangenheit einmal während einer Dienstreise einigen Begleitern erklärt. Man müsse dann aber alles tun, um die relative Mehrheit gegen Angela Merkel zu mobilisieren. Dazu gehörten auch „alle taktischen Varianten“. Wer kann diese Zuversicht nun besser ausstrahlen als Gabriel? Im Vergleich zu Hannelore Kraft, Andrea Nahles, Olaf Scholz und Martin Schulz ist er wohl einer von denen, die besondere Kämpferqualitäten haben.

Von Dieter Wonka

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