Telefonstreich bei David Cameron

Heißer Draht zum Premierminister

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Nicht schwer zu erreichen: Der britische Premier David Cameron.

London - Ein Anrufer hält den britischen Premier David Cameron und den britischen Geheimdienst zum Narren: Er gab sich als Direktor des britischen Abhör-Geheimdienstes GCHQ aus und wurde prompt zum Privathandy des Regierungschefs durchgestellt.

Die Telefonnummern von Regierungschefs, zumal die privaten, gelten normalerweise als top secret. Wäre ja noch schöner, wenn da einfach jeder durchklingeln könnte. Dass genau dies jedoch gar nicht so schwer ist, hat jetzt ein Spaßvogel in Großbritannien demonstriert. Er rief bei der Vermittlung in Downing Street an, gab sich als Robert Hannigan aus, Direktor des britischen Abhör-Geheimdienstes GCHQ, und bat darum, umgehend mit dem britischen Premier David Cameron verbunden zu werden. Der Trick funktionierte: Der Anrufer wurde prompt zum Privathandy von Cameron durchgestellt. Der Premier, so die Darstellung aus der Downing Street, hörte sich kurz an, was sein vermeintlicher Geheimdienstchef zu sagen hatte, legte dann aber sofort auf, als ihm klar wurde, dass es sich um einen Scherzanruf handeln musste. Es seien keine „sensiblen Informationen“ enthüllt worden, hieß es später.

Dennoch gelobten die zuständigen Stellen, schleunigst die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann. Immerhin war der Abhördienst GCHQ dem Anrufer erst wenige Stunden zuvor ebenfalls auf den Leim gegangen. Dort hatte sich der Mann als ein Mitarbeiter aus Downing Street ausgegeben und behauptet, man könne GCHQ-Chef Hannigan nicht „unter seiner üblichen Nummer“ erreichen. Prompt bekam er dessen private Handynummer mitgeteilt. Den soll er dann angerufen und vorgegeben haben, ein Journalist zu sein.

Anschließend brüstete sich der Scherzkeks gegenüber der „Sun“ damit, die Regierungsstellen „zum Narren gehalten“ zu haben. Er sei zur Zeit der Anrufe angetrunken gewesen und hätte Kokain sowie Cannabis genommen.

Die Sicherheitsbehörden in Großbritannien zeigten sich wenig amüsiert über diese Vorgänge. Was für Dramen sich aus sogenannten Scherzanrufen entwickeln können, hatte sich im Jahr 2012 gezeigt. Eine Krankenschwester ließ sich damals von einer Anruferin täuschen, die vorgab, Queen Elisabeth zu sein, und Auskunft über den Gesundheitszustand der damals schwanger in der Klinik liegenden Herzogin Kate begehrte - und erhielt. Hinter dem Anruf steckte, wie sich später herausstellte, ein Radiosender aus Sidney. Die Krankenschwester, die auf den Anruf hereingefallen war , nahm sich kurz darauf das Leben.

Von Jochen Wittmann

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