US-Wahl 2016

Hillary Clinton will Kandidatur bekanntgeben

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Washington - Hillary Clinton will am Sonntag ihre Präsidentschaftskandidatur bekanntgeben. Die ehemalige US-Außenministerin werde dies demnach per Kurznachrichtendienst Twitter tun. In jedem Fall wird der Wahlkampf für alle Beteiligten eine äußerst teure Angelegenheit.

Der Marathon beginnt. In den kommenden 19 Monaten will sich Hillary Clinton um die Gunst ihrer Landsleute bemühen, um die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Erwartet wird eine Materialschlacht, deren Kosten in die Milliarden gehen. Die Ankündigung ihrer Kandidatur wird für diesen Sonntag erwartet. Wie ein Trommelwirbel wirken die letzten Vorbereitungen: Im hippen New Yorker Stadtteil Brooklyn mietet Clinton Büros für ihr Wahlkampfteam an, deren Flächen sich fast auf einen Hektar summieren. Und vor zwei Tagen wurde bekannt, dass der IT-Star Stephanie Hannon aus dem kalifornischen Silicon Valley an die Ostküste wechselt, um für die 67-Jährige ganz neue Formen des Online-Wahlkampfes zu entwickeln. Die unkomplizierte Kommunikation zwischen Wählern und Kandidatin soll möglich gemacht werden, selbst wenn das Wahlvolk aus mehr als 300 Millionen Menschen besteht.

Eine politische Großoffensive

Die Unterschiede zu Hillary Clintons erstem Versuch, das Weiße Haus zu gewinnen, könnten kaum größer sein. Anders als 2008 will sie nichts dem Zufall überlassen. Die nahe liegende Vermutung, dass sie in den USA nun wirklich hinlänglich bekannt ist, lässt sie nicht gelten. Gerungen werden soll um jede einzelne Stimme.

Es kündigt sich eine politische Großoffensive an: Ein Heer von Tausenden Wahlhelfern soll über das weite Land ziehen, um vor allem die Wechselwähler zu gewinnen. Sie werfen ihre Netze über der Mitte der Gesellschaft aus, um einen möglichst großen Fang zu machen. Ein historischer Schritt scheint möglich: Nach dem ersten Afroamerikaner soll nun erstmals eine Frau auf dem Chefsessel im Weißen Haus Platz nehmen.

Die Clintons werden mehr respektiert als geliebt

Wie zu hören ist, mangelt es nicht am Geld. Die Clintons, die seit der Präsidentschaft von Ehemann Bill gute Beziehungen zur Wall Street pflegen, hatten sich erst vor wenigen Tagen mit entsprechenden Sponsorenzusagen aus Manhattan eingedeckt. Und einige Milliardäre wie der Hedgefonds-Manager Warren Buffett stehen ohnehin treu an der Seite der Demokratischen Partei. Sie hatten schon vor mehr als einem Jahr dafür gesorgt, dass kleinere Vorauskommandos unter dem Motto "Ready for Hillary" kreuz und quer durch's Land reisen, um die Stimmungslage zu testen und die Wählerlisten auf den neuesten Stand zu bringen.

Die Dimensionen der Kampagne sind atemberaubend. Barack Obama nannte seine Wahlkampfzentrale in Chicago "Die Maschine", für Clinton wäre wohl "Die Dampfwalze" passender. Und doch kommt es schlussendlich auf die Kandidatin selbst an. Sie muss bis November 2016 das Vertrauen der Mehrheit der Amerikaner gewinnen. Man könnte auch sagen: Sie muss es zurückgewinnen. Denn die Machtmaschine der Clintons, die seit mehr als 20 Jahren in der Öffentlichkeit präsent ist, besitzt zwar eine beeindruckende Größe, wird aber mehr respektiert als geliebt. Die Clintons - das ist in den Augen vieler US-Bürger eben auch ein Paar, das sich nur an die eigenen Regeln hält.

Vermischung von Privatem und Dienstlichem

So wurde die Kandidatin von der jüngsten E-Mail-Affäre eben deshalb so hart getroffen, weil sich plötzlich so vieles zu wiederholen scheint, was die Amerikaner zur Genüge von ihr kennen: das unsägliche Vermischen von Privatem und Dienstlichem; das Unvermögen, eigene Fehltritte zu benennen und zu korrigieren; der Verdacht, dass die Geheimniskrämerei einen tieferen Grund haben könnte.

Als Außenministerin hatte Clinton - entgegen eindeutiger Anordnungen - ihre elektronischen Briefe größtenteils auf einem privaten Rechner geschrieben. Als sie vom Untersuchungsausschuss des Kongresses kürzlich aufgefordert wurde, den gesamten Schriftverkehr an die Archivare der Regierung zu übergeben, traf sie eigenmächtig die Entscheidung, welche Emails nach Washington gegeben werden - und welche Schreiben kurzerhand zu löschen sind.

Clinton bügelt Kritik ab

Die Brisanz ihrer Handlung ist nicht zu unterschätzen, da es unter anderem um die Aufklärung des Attentats auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi geht, bei dem 2012 mehrere Diplomaten ums Leben kamen. Bis heute steht der Vorwurf im Raum, das State Department habe unter ihrer Führung entsprechende Warnungen im Vorfeld des Angriffs in den Wind geschlagen.

Clinton bügelt Kritik dieser Art regelmäßig mit dem Hinweis ab, dass es sich um Verschwörungen des rechten Flügels handele. Das dürfte in den kommenden Monaten kaum ausreichen. Nicht nur der politische Gegner, auch die Bevölkerung erwartet mehr Transparenz.

Die Vergangenheit soll weit weg

Das Ziel ist klar gesteckt: Bei der Wahlschlacht will sich Clinton als erfahrene und zugleich runderneuerte Politikerin präsentieren. Es ist nur allzu verständlich, dass sie die alten Debatten, wie den Streit um die Monica-Lewinsky-Affäre, endlich hinter sich lassen will. Doch selbst bei diesem Drama, das nun schon fast zwei Jahrzehnte zurückliegt und noch immer fortwirkt, fällt es ihr schwer, über den eigenen Schatten zu springen. Entgegen unzähliger Ratschläge aus dem Beraterkreis lehnt es der Clinton-Clan bisher strikt ab, mit der mittlerweile 41-jährigen Frau einen vernünftigen Umgang zu finden. Jeder öffentliche Auftritte von Frau Lewinsky entwickelt sich zu einem Festtag der Clinton-Gegner - ganz gleich, wozu sich die einstige Praktikantin des Weißen Hauses äußern mag.

In den nächsten Wochen dürfte es daher für HRC (Hillary Rodham Clinton) darauf ankommen, ihr eigentliches Programm in den Vordergrund zu rücken - und die Vergangenheit möglichst weit weg zu schieben. "Ready for Hillary"? Trotz ihres späteren Scheiterns schwang 2008 viel Verheißungsvolles mit. Ob das auch sieben Jahre später noch gilt? Nächste Woche in Iowa gibt es den ersten Testlauf.

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