US-Verteidigungsminister Ashton Carter setzt auf Militärpräsenz

Hochgerüstete Wächter am Golf von Aden

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US-Verteidigungsminister Ashton Carter gilt als der neue Mann fürs Grobe.

Washington - In der Obama-Administration gilt Ashton Carter als der neue Mann fürs Grobe. Während sein Kabinettskollege John Kerry von Hauptstadt zu Hauptstadt eilt, um die neue Iran-Strategie des Weißen Hauses zu erläutern, setzt der Verteidigungsminister eher auf die Macht des Faktischen.

Trotz aller freundlichen Töne gegenüber dem Teheraner Regime befahl Carter den Flugzeugträgerverband "Theodore Roosevelt" in den Golf von Aden. Der Auftrag für die imposante Armada ist nicht zurückhaltend formuliert. Die Truppe soll den Jemen weitestgehend abschotten, um Waffenlieferungen in das Kriegsgebiet zu unterbinden. Über den Adressaten dieser Botschaft herrschen wenig Zweifel: "Wir mögen es gar nicht, wenn das Feuer im Jemen weiter angeheizt wird", sagte Carter in diesen Tagen vor Washingtoner Journalisten. Offiziell wird zwar nicht von einer "Abfangmission" gesprochen, dennoch dürfte der Hintergrund der starken Militärpräsenz von allen Beteiligten verstanden werden.

In der amerikanischen Hauptstadt gilt es als offenes Geheimnis, dass Riad und Teheran im Jemen in einen blutigen Stellvertreterkrieg verwickelt sind. Und trotz der vielschichtigen Ursachen des Bürgerkriegs ließ die US-Regierung von Beginn an wissen, dass sie weiterhin eng an der Seite des saudischen Königshauses steht. 6000 amerikanische Marinesoldaten, die mit mehr als drei Dutzend Kampfjets und zahlreichen Lenkwaffen ausgerüstet sind, sollen diese Strategie in den kommenden Tagen und Wochen untermauern. "Sollte es die Lage erfordern, werden wir von unseren Optionen Gebrauch machen", sagt Carter, der den Einsatz iranischer Schnellboote im Golf von Aden als Provokation betrachtet.

Wie schnell die Begleitschiffe des amerikanischen Flugzeugträgerverbandes zur Stelle sind, zeigte sich denn auch bei einem kleinen Zwischenfall in der vergangenen Woche: Als die iranische Marine einen Frachter der dänischen Reederei Maersk festsetzte, tauchte wenige Stunden später der US-Zerstörer "Farragut" am Horizont auf. Erst als bekannt wurde, dass es einen langjährigen Rechtsstreit zwischen der Reederei und einem iranischen Unternehmen gibt, drehten die Amerikaner bei. Es war nur ein kleiner Zwischenfall auf hoher See - und dennoch zählt er zu den unmissverständlichen Signalen, die Washington in diesen Wochen in Richtung Teheran sendet: Trotz aller Entspannung im Streit um das iranische Atomprogramm bleiben die USA als Wächter in der Region präsent.

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