Anklang bei Online-Petition

Junge Kämpferin gegen die Plastiktüten

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Berlin - Vor fünf Monaten hat Stefanie Albrecht (29) eine Online-Petition für eine „Umweltabgabe auf Plastiktüten“ gestartet. 22 Cent solle demnach auf jede Tüte aufgeschlagen werden. Mittlerweile haben 115.000 Menschen ihre Online-Petition unterzeichnet. Von diesem Erfolg ist Albrecht überrascht.

„Das macht Mut, weiterzumachen“, sagt die aus Rostock stammende Studentin für Naturressourcenmanagement an der Berliner Humboldt-Universität am Mittwoch. Mit dem Geld für die Plastiktüten könnten Umweltprojekte finanziert werden, schlug die blonde junge Frau in der Petitionvor.

Inzwischen hat die Aktion hohe Wellen geschlagen. Am Donnerstagvormittag wollen Umweltaktivisten die lange Unterzeichnerliste dem Berliner Umweltministerium übergeben. Eine Petition mit weit mehr als 100.000 Unterschriften kann nicht so einfach zu den Akten gelegt werden, meint Albrecht kampfeslustig. „Wir haben damit den Nerv der Zeit getroffen“, sagt sie zufrieden.

Auf die Idee, dem verbreiteten „Plastiktüten-Wahn“ etwas entgegenzusetzen, kam die Studentin bei Reisen durch mehrere asiatische Länder. Dort verschandeln Milliarden von Tüten nicht nur ganze Landstriche und Flüsse, auch in den Meeren sind die Hinterlassenschaften des Massenkonsums zu einem riesigen Problem geworden. Allein in der EU werden pro Kopf und Jahr 198 Tüten verbraucht. Deutschland liegt mit 71 noch relativ gut.

Doch auch diese Zahl sei noch längst kein Grund zum Ausruhen. Immerhin sind es rund sechs Milliarden Plastiktragetaschen, die deutsche Kunden pro Jahr nutzten. Zum Vergleich: Damit könnte man die Erde rund 40 mal umwickeln. Gern verweist Albrecht auf das Beispiel Irland. Auf der grünen Insel wurde just eine Abgabe von 22 Cent eingeführt ­- und in kurzer Zeit sank der Verbrauch von 90 Stück pro Einwohner auf gerade mal sechs.

Beim Bundesumweltministerium wird Staatssekretär Florian Pronold (SPD) heute die Petition samt 5000 bunter Plastiktüten in Empfang nehmen. Im Ministerium steht man der Forderung nach einer Tüten-Abgabe reserviert gegenüber. Der Aufwand sei größer als der Effekt. Zudem würden die Plastiktüten in Deutschland in der Regel ohnehin recycelt. Stefanie Albrecht überzeugen die Argumente der Politik allerdings nicht. Die Vermeidung der aus Erdöl hergestellten Tragetaschen sei auch für die Klimabilanz viel besser. Auch dass an vielen Kassen heute bereits für die Tragetaschen bezahlt werden muss, habe das Problem nicht verkleinert.

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