Geplanter Merkel-Film

Die Kanzlerin soll zum Kinostar werden

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Veronika Ferres, Katja Riemann? Angela Merkel kommt in die Kinos – wer sie spielt, ist noch nicht klar.

Berlin - Angela Merkels Leben kommt in die Kinos: Eine deutsche Produktionsfirma plant eine internationale Ko-Produktion für die ganz große Leinwand. Kinostart soll ausgerechnet 2017 sein - wenige Monate vor der nächsten Bundestagswahl. Und das stößt auf heftige Kritik.

Tatsächlich ist die Geschichte ja gut. Die Frau aus Ostdeutschland, die in der männlich und westdeutsch geprägten CDU Karriere macht. Die mächtigen Männer, die sie immer unterschätzt haben, von Helmut Kohl bis zu Gerhard Schröder oder Christian Wulff. Und schließlich der Aufstieg zur vielleicht mächtigsten Frau der Welt. Nun soll Angela Merkels Lebensgeschichte zu einem Kinofilm verarbeitet werden. Eine deutsche Produktionsfirma plant eine internationale Ko-Produktion für die ganz große Leinwand. Kinostart soll ausgerechnet 2017 sein - wenige Monate vor der nächsten Bundestagswahl.

Die Frage ist: Wer kann Merkel spielen? Eigentlich wird in Deutschland kaum ein zeitgeschichtlicher Film ohne Veronica Ferres gedreht - als Angela Merkel könnte sie zeigen, wie verwandlungsfähig sie ist. Auch Jan-Joseph Liefers (vielleicht Joachim Sauer?), Katja Riemann (Ursula von der Leyen) und Heiner Lauterbach (Wolfgang Schäuble) machen sich als Politdarsteller immer gut. Es könnte jedoch sein, dass der Film sich nicht an die üblichen TV-Muster hält - schließlich hat die Produktionsgesellschaft AVE internationale Schauspielkunst versprochen. Gestern erklärte sie lediglich, die Besetzung der Rollen stehe noch nicht fest. AVE hat zuletzt das ARD-Dokudrama „Meine Tochter Anne Frank“ mit Mala Ende und Axel Milberg (ginge als Peer Steinbrück) produziert.

Sicher scheint, dass ein eigener Kinofilm kurz vor der Wahl der CDU-Vorsitzenden aus Templin nicht ungelegen kommt. Die Bundestagskonkurrenz in Berlin reagierte gestern jedenfalls empört. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt ätzte gegenüber dieser Zeitung: „Ein Kinofilm als Raute 2.0? Personenkult gehört eigentlich in weniger demokratische Staaten.“ Sie stelle sich die Frage, was als nächstes komme. „Soll die Kanzlerin 2017 als erste protestantische Frau vom Papst heiliggesprochen, und sollen die Olympischen Spiele von Hamburg nach Templin verlegt werden?“ Auch Dietmar Bartsch, Linken-Fraktionsvize im Bundestag, reagierte verärgert: „Da kann die Union die Hälfte ihres Wahlkampf-etats für die Bundestagswahl auf die hohe Kante legen. Fehlt nur noch, dass ARD und ZDF den Film dann im Wahljahr zur Primetime ins Programm nehmen.“ Merkel habe „wie ich genug ungute Erfahrungen mit Personenkult gemacht“, ergänzt Bartsch. „Das sollte eigentlich für ein Leben reichen.“

Als Drehbuchautor hat die Produktionsfirma den „Spiegel“-Journalisten Dirk Kurbjuweit engagiert. Der Langzeitbeobachter der Bundeskanzlerin hat bereits zwei Bücher über Merkel verfasst. Nun will er seinen Blick filmisch auf die Machtpolitikerin richten: „Sie ist die spannendste Politikerin unserer Zeit.“ Und spannend ist ja für einen Film nicht schlecht.

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