Dezente Warnungen vor dem Bierbauch

Kommen Kalorienangaben auf Alkoholflaschen?

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Das EU-Parlament will Kalorienangaben auf Alkoholflaschen zur Pflicht machen.

- Nach dem Willen des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit im EU-Parlament soll den Liebhabern alkoholischer Getränke der Genuss auf die sanfte Tour vermasselt werden: Sie wollen erreichen, dass auf Flaschen und Dosen die Kalorienzahl des Inhalts deutlich sichtbar vermerkt wird.

Die amtlichen Warnungen auf den Zigarettenpackungen sind eigentlich ziemlich deutlich, doch dies hält bekanntlich die Feuerfesten unter den Rauchern nicht im Geringsten vom Qualmen ab. Bei einem anderen Laster der Menschheit wollen es die Eurobürokraten bei der europäischen Gesundheitsvorsorge nun nicht auf die harte Tour versuchen, sondern eine sanfte, sozusagen subversive Methode probieren.

Sie wollen erreichen, dass auf Flaschen und Dosen die Kalorienzahl des Inhalts deutlich sichtbar vermerkt wird.

Und von da an wird es ungemütlich: Mit zwei Gläsern Sekt (160 Kilokalorien) hat man schnell die Kalorienzahl von einem Hamburger zu sich genommen. Den legendären Damenkränzchen wird der Eierlikör vergällt, weil der mit 270 Kilokalorien je Zehntelliter ganz schön reinhaut. Den Altherrenrunden wird der Whisky sauer, weil der mit 227 Kilokalorien pro Deziliter kaum weniger aufträgt. Die Träger stattlicher Bierbäuche sind vermutlich längst immun gegen derart feingesponnene Warnhinweise. Und die angegebenen 40 Kcal pro Zehntelliter auf ein Weizenbierglas oder zwei oder drei umzurechnen ist dann doch ziemlich umständlich.

Andererseits, so gibt die Verbraucherorganisation Foodwatch dieser Tage zu bedenken, wird der Einfluss von Getränken auf die Ernährung durchaus unterschätzt – die Kalorien schlabbern sich gewissermaßen so nebenbei weg, wenn es sich nicht um das gute heimische Wasser aus der Leitung oder dem Mineralbrunnen handelt. 20 Milliarden Euro jährlich kostet die Fettsucht (Adipositas) das deutsche Gesundheitssystem – ein Hinweis auf die Kalorienzahl kann demnach nicht schaden. Wobei die Leute von Foodwatch gerechterweise nicht allein Bier, Schnaps und Schampus Beachtung schenken, sondern auch den vielen zuckerhaltigen Getränken ohne Alkohol. Vorsichtshalber soll auf den Schnapsflaschen auch stehen, dass Autofahrer und Schwangere die Finger davon lassen sollen. Auch das ist ja ein hilfreicher Hinweis.

Von Reinhard Urschel

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