Ted Cruz

Das konservative Amerika meldet sich zurück

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Washington - Jung, blitzgescheit und radikal – wenn im politischen Wahington die Rede von „Amerika pur“ ist, fällt zumeist der Name Ted Cruz. Der texanische Senator löste am Montag mit seiner Ankündigung, bei den Präsidentschaftswahlen anzutreten, unter stramm-konservativen Landsleuten einen wahren Freudentaumel aus.

Der 44-Jährige hatte sich mit seiner kompromisslosen Art in den vergangenen Jahren den Ruf eines Hardliners erarbeitet, der die Vereinigten Staaten wieder zu alter Größe führen will.

So mancher Europäer mag nur mit dem Kopf schütteln, aber Cruz' Widerstand gegen die neue allgemeine Krankenversicherung wurde von vielen Amerikanern unterstützt. Die sogenannte Obamacare verhalf zwar elf Millionen Menschen, die bisher keinerlei Krankenschutz besaßen, zu einer minimalen Absicherung. In den Augen ihrer Kritiker gilt das Projekt aber als Beschneidung der persönlichen Freiheit, da die Versicherungskosten für die Mehrheit der Bevölkerung steigen und der Abschluss einer Police zur Pflicht erhoben wurde.

Cruz versteht es, seine Außenseiterpositionen gut zu verteidigen: Nach dem Studium an den Eliteuniversitäten Princeton und Harvard brachte es der Sohn eines kubanischen Einwanderers und einer Amerikanerin zum Generalstaatsanwalt in Texas, der sich mit seiner harten Linie zu einer Führungsfigur der umstrittenen Tea-Party-Bewegung entwickelte. Als seine Vorbilder bezeichnet der 44-Jährige gern "meinen Vater und Ronald Reagan". Seine Familie sei mit 100 Dollar in Amerika gestartet und habe es schnell zum Besitz einer Ölfirma gebracht.

Cruz ist Gegner des ausufernden Wohlfahrtsstaates

Einen ausufernden Wohlfahrtsstaat hält Cruz für eine "Bedrohung des freien Individuums", da die staatlichen Zuschüsse lediglich die Antriebskraft des Einzelnen lähmen würden. Um seine Thesen zu untermauern, erinnert er hin und wieder an den liberalen österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises, der ihn in seiner Jugend beeindruckt habe.

In den urbanen Zentren an der amerikanischen Ost- und Westküste hat der talentierte Jurist dagegen einen schweren Stand. Dort gilt er gemeinhin als Vertreter des konservativen, weißen Amerikas, das sich verzweifelt gegen die Zeichen der Zeit stelle: Vor allem mit seiner Betonung der Religion, seiner strikten Ablehnung von Abtreibung und Homo-Ehe ist er weit entfernt von der politischen Mitte des Landes. Ganz zu schweigen von seinem Engagement, den privaten Waffenbesitz noch weiter zu liberalisieren.

Dennoch sind dem aufstrebenden Politiker häufig die Schlagzeilen sicher - vor allem mit seiner mehr als 20-stündigen Dauerrede im Senat gegen die Reform der Krankenversicherung. Auch war Cruz einer der Wortführer, die im Haushaltsstreit den kurzzeitigen Stillstand der Bundesbehörden zu verantworten hatten. Vielen Parteifreunden ist der Texaner denn auch nicht ganz geheuer. So zählt ihn der langjährige Senator John McCain zu den "verrückten Vögeln" in den eigenen Reihen. Ob Cruz gegen konservative Größen wie Jeb Bush eine Chance hat, erscheint als nicht sehr wahrscheinlich. Da er als erster Politiker seine Präsidentschaftskandidatur offiziell bekanntgibt, sichert sich der Texaner aber eine Startvorteil.

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