Landesvorsitzender Armin Paul

Der Mann, der die AfD retten möchte

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Foto: Der frühere ARD-Korrespondent Armin Paul.

Hannover - In der AfD-Krise kommt jetzt ein überraschender Personalvorschlag. Der niedersächsische Landesvorsitzende Armin Paul Hampel ist bereit, beim Bundesparteitag in gut zwei Wochen für den Vorsitz zu kandidieren.

Vor einigen Monaten noch hat man ihn fest im Lager von Bernd Lucke verortet. Jetzt bricht auch Armin-Paul Hampel, niedersächsischer Landesvorsitzender der AfD, mit dem umstrittenen Parteichef: „Lucke hat sich schon von der AfD verabschiedet, mit ihm geht es nicht mehr weiter.“

Wie aber geht es dann weiter? In gut zwei Wochen soll der Bundesparteitag einen neuen Vorstand wählen, und viel spricht dafür, dass es zu einer Doppelspitze kommt. Lucke, der eigentlich einziger AfD-Vorsitzender werden wollte und für die neue Satzung Ende Januar in Bremen noch eine satte Mehrheit bekam, könnte nun der große Verlierer werden. Erstens muss formal noch einmal über die neue Satzung abgestimmt werden, und eine für Luckes Vorschlag nötige Zweidrittelmehrheit ist höchst unwahrscheinlich. Zweitens wird es für Lucke auch bei den dann anschließenden Vorstandswahlen eng. Sein Vorstandskollege Konrad Adam schätzt, dass maximal ein Drittel der AfD-Mitglieder noch auf seiner Seite steht.

Nun kommt Hampel ins Spiel: Viel spricht derzeit dafür, dass die Lucke-Gegenspielerin, Frauke Petry aus Sachsen, auf einem der Sprecherposten bestätigt wird. Wenn es zur Doppelspitze kommt, ist aber noch ein zweiter Kandidat nötig. Wunschbewerber im Petry-Lager wäre einer, der den Liberalen nicht zu fern steht. Hampel selbst stünde dafür zur Verfügung: „Ich kann mir vorstellen, für einen Sprecherposten zu kandidieren - aber nur zu dem Zweck, die vielen liberalen AfD-Mitglieder mitzunehmen und zu repräsentieren, die wie ich von Lucke enttäuscht sind“, sagt Hampel dieser Zeitung.

Kann der Niedersachse sich zum Retter der zerstrittenen Partei aufschwingen? Seit geraumer Zeit wird darüber diskutiert, ob nicht einer aus dem Kreis der Landesvorsitzenden aufrücken und als neutrale Kraft die Lager befrieden kann. Die Lucke-Anhänger gehen sogar so weit, dass sie auch Petry zum Verzicht überreden wollen. Doch die Konservativen scheinen so stark, dass sie Petry auf jeden Fall wollen - und daneben vielleicht einen aus der Riege der Landesvorsitzenden. Nur wen? Führende Köpfe aus Baden-Württemberg und Bayern, aber auch der Europaabgeordnete Joachim Starbatty gelten zu sehr als Lucke-Anhänger, Marcus Pretzell aus NRW ist zu sehr ein Petry-Getreuer. Hampel hat sich mal „Wanderer zwischen den Welten“ genannt - und tatsächlich ist er mit seiner sonoren Stimme wiederholt vermittelnd aufgetreten.

1957 in Bielefeld geboren, lernte er nach dem Abitur Zeitungsjournalist, wurde dann 1991 Fernseh-Nachrichtenchef beim neu gegründeten MDR in Leipzig - und später Auslandskorrespondent. Elf Jahre lang war er in Indien und Afghanistan stationiert. Der Sohn eines Regierungsbeamten, in Detmold aufgewachsen, ist heute Vater von vier Kindern.

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