Wahlauftakt in Italien

Mattarella kandidiert für Amt des Staatspräsidenten

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Der frühere italienische Präsident Giorgio Napolitano wird mit einem Applaus vor der Wahl begrüßt. Napolitano war aus Altersgründen zurückgetreten.

Rom - Lange hat Regierungschef Renzi sich bedeckt gehalten, kurz vor Beginn der Wahl ist der Name raus:Verfassungsrichter Sergio Mattarella ist der Kandidat seiner Partei für das Amt des Staatspräsidenten. Zum Selbstläufer wird die Wahl des 73-Jährigen aber wohl nicht.

Gut zwei Wochen nach dem Rücktritt von Giorgio Napolitano hat in Italien die Wahl eines neuen Staatspräsidenten begonnen. Der Verfassungsrichter Sergio Mattarella ging als offizieller Kandidat der sozialdemokratischen Partei (PD)von Regierungschef Matteo Renzi in die Wahl, die am Donnerstagnachmittag startete. Es wurde nicht erwartet, dass sich die 1009 Stimmberechtigten im erstenDurchgang mit Zwei-Drittel-Mehrheit auf ein neues Staatsoberhaupt einigen können. Renzi sagte, er gehe davon aus, dass Mattarella am Samstag im vierten Durchgang gewählt werde - dann reicht die absolute Mehrheit.

Zuvor hatte sich die Demokratische Partei (PD) einstimmig für den 73-Jährigen als Kandidaten entschieden. „Das ist kein Moment wie alle anderen. Wenn wir scheitern, wird es keine normale parlamentarische Niederlage sein“, mahnte Renzi vor den PD-Wählern, von denen er maximale Aufrichtigkeit verlangte. „Samstagmorgen wird ein sehr wichtiger Schritt für unsere Partei und diese Legislaturperiode.“

Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi und seine konservative Forza Italia (FI) wehren sich Medienberichten zufolge jedoch gegen Mattarella. „Die Kandidatur von Sergio Mattarella, bei allem Respekt, den er verdient, ist nicht akzeptabel. Wir werden nicht für ihn stimmen“, kündigte der FI-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus Renato Brunetta an. Senator Maurizio Gasparri kritisierte: „Renzi hat sich, wie schon in anderenSituationen, für die Arroganz entschieden.“ Berlusconi wollte am Nachmittag mit Innenminister Angelino Alfano von der ebenfalls konservativen Nuovo Centrodestra (NCD) zusammenkommen.

Sowohl große Teile von Renzis PD als auch zahlreiche andere Parteien hatten vor Beginn der Wahl angekündigt, in den ersten drei Wahlgängen leere Stimmzettel abgeben zu wollen. Dann ist unter den insgesamt 1009 Repräsentanten des Abgeordnetenhauses, des Senats und der Regionen eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig.

Im vierten Wahlgang reicht die absolute Mehrheit. Renzi erwartet, dass sein Kandidat die dann nötige Mehrheit von mindestens 505 Stimmen bekommen wird, weil auch kleinere Parteien für Mattarella votieren. Seine PD kommt auf insgesamt 445 Stimmen. Einige kleinere Parteien haben bereits ihre Unterstützung signalisiert.

Verfassungsrichter Sergio Mattarella

Der Favorit für die Präsidentenwahl in Italien, Sergio Mattarella, hat eine lange politische Karriere in Italien vorzuweisen. Jedoch ist der derzeitige Verfassungsrichter keiner, der gerne im Rampenlicht steht. Medien beschreiben ihn wegen seiner Vorliebe für farblose Kleidung als „Mann in Grau“, der Tugenden habe und Nein sagen könne oder als „schüchternen und kühlen Charakter“, der Bücher den Fernsehkameras vorziehe.

Sizilianer international kaum bekannt

International ist der 73-jährige gebürtige Sizilianer bisher kaum bekannt. Von 1998 bis 1999 war er Vize-Ministerpräsident. Als Verteidigungsminister setzte er sich in seiner Amtszeit von 1999 bis 2001 für die Abschaffung der Wehrpflicht in Italien ein. Mattarella saß von 1983 bis 2008 im Parlament. Als Verfassungsrichter ist er seit 2011 im Amt. Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi steht mit Mattarella auf keinem guten Fuß. Denn zusammen mit anderen Ministern trat Mattarella 1990 aus Protest gegen ein Gesetz zurück, das Berlusconis Medienimperium begünstigte. Nachdem sich die christdemokratische Partei aufgelöst hatte, gehörte Mattarella zu den Gründern der sozialdemokratischen Partei PD des jetzigen Premiers Matteo Renzi.

Mattarella wurde 1941 in Palermo geboren und studierte Jura. Sein Vater Bernardo war ein bedeutender Politiker. Auch sein älterer Bruder Piersanti hatte die Politik im Blut. Als Präsident der Region Sizilien wurde der 1980 von der Mafia umgebracht. Mattarella ist verheiratet und hat drei Kinder.

dpa

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