Nach 13 Jahren

Nato beendet Kampfeinsatz in Afghanistan

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Mit einer Zeremonie markiert die Nato am Sonntag das Ende ihres 13-jährigen Kampfeinsatz in Afghanista

Kabul - Mit einer Zeremonie markiert die Nato am Sonntag das Ende ihres 13-jährigen Kampfeinsatz in Afghanistan. Formell erfolgt der Übergang von der einen zur anderen Mission allerdings erst zum Jahreswechsel.

Im Hauptquartier in Kabul wird die Flagge der internationalen Schutztruppe Isaf eingeholt und die für den neuen Ausbildungseinsatz „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) gehisst.

In Afghanistan waren in 13 Jahren insgesamt 135 000 Bundeswehr-Soldaten im Einsatz, 55 ließen dort ihr Leben. Insgesamt wurden rund 3500 Isaf-Soldaten in den Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban und bei Anschlägen getötet. Für die neue Ausbildungsmission sollen 12 000 ausländische Soldaten in Afghanistan bleiben, darunter 850 Deutsche. Der Einsatz ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) würdigte, dass die Bundeswehr einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des Landes geleistet habe. In den vergangenen 13 Jahren habe sich die Situation vieler Menschen gebessert.

In der deutschen Bevölkerung herrscht allerdings die Meinung vor, dass sich der Einsatz nicht gelohnt hat. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur vertraten 60 Prozent der Teilnehmer diese Auffassung. 51 Prozent sind nach den Erfahrungen in Afghanistan gegen weitere Kampfeinsätze der Bundeswehr, nur 31 Prozent dafür.

In Afghanistan stößt das Ende der Kampfmission auf Kritik. Die Leiterin der afghanischen Menschenrechtskommission in Kabul, Sima Samar, kritisiert die Strategie der Nato. „Wir haben die Aufstockung der Soldaten 2009 nicht verstanden und wir verstehen jetzt den Rückzug nicht“, sagte die Trägerin des Alternativen Nobelpreises der dpa. Die internationale Gemeinschaft sei sehr oberflächlich an Afghanistan herangegangen. „Vielleicht hätten wir mehr erreicht und weniger Opfer zu beklagen, wenn wir die Lage besser analysiert hätten.“

Auch der stellvertretende Gouverneur der Unruheprovinz Kundus, Hamdullah Daneschi, nannte den Rückzug der Nato voreilig. „Es gibt Dinge zu erledigen, die wir ohne ihre Hilfe nicht erledigen können“, sagte er. Kundus ist die gefährlichste Provinz im nordafghanischen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr innerhalb der Isaf.

Der stellvertretende Isaf-Kommandeur Carsten Jacobson wertete den Isaf-Einsatz dagegen als glatten Erfolg. „Das Ziel ist es gewesen, afghanische Regierungsbildung zu ermöglichen, den Schutz dieser Regierungsbildung sicherzustellen und afghanische Sicherheitskräfte aufzustellen, anschließend die Verantwortung zu übergeben und dann zu reduzieren und abzuziehen. Dieser Auftrag der Isaf ist zu 100 Prozent erfüllt“, sagte der Generalleutnant der Bundeswehr der dpa.

Linksfraktionschef Gregor Gysi hält die Nato in Afghanistan für komplett gescheitert: „13 Jahre Nato-Krieg haben dem Land keinen Frieden, keinen sozialen Fortschritt, keine stabile demokratische Entwicklung, keine Rechtsstaatlichkeit gebracht - aber viele Tote und Zerstörungen.“

dpa

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