Erste Bestandsaufnahme der Gehälter

In Niedersachsen verdienen Altenpfleger weniger

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Berlin - Viele haben es geahnt, nun liefert eine Studie die Bestätigung: In der Altenpflege verdienen Fachkräfte mit durchschnittlich 2441 Euro brutto bis zu 19 Prozent weniger als vergleichbare Berufsgruppen wie Handwerker. In Niedersachsen wird sogar noch schlechter gezahlt.

Krankenpflegerinnen werden mit rund 3000 Euro im Monat noch verhältnismäßig gut bezahlt. Regional gibt es deutliche Unterschiede. Im Bundesländervergleich schneidet Niedersachsen besonders schlecht ab. Nur in Ostdeutschland wird der niedersächsische Durchschnittsverdienst von 2200 Euro brutto für Altenpflegefachkräfte und 1600 Euro für angelernte Helferinnen noch unterboten.

„Wenn Fachkräfte in der Altenpflege ein Fünftel weniger verdienen als in anderen Branchen, läuft etwas falsch“, sagte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), am Dienstag anlässlich der Vorstellung der Studie. „Wir brauchen endlich flächendeckend faire und angemessene Löhne.“ Laumann will durch eine Gesetzesänderung den Pflegekassen das Recht einräumen, von den Pflegeheimen und ambulanten Diensten einen Nachweis über tatsächlich gezahlte Löhne anzufordern. Ansonsten müsse sich die Politik raushalten. „Vor allem brauchen wir starke Gewerkschaften, die für die Pflegekräfte eintreten.“

Erste Bestandsaufnahme der Pflege

Mit der aktuellen Studie liefert das Forschungsinstitut IAB der Bundesagentur für Arbeit auf Wunsch Laumanns erstmals eine Bestandsaufnahme der Entgelte in der Pflege. Auffallend ist vor allem die drastische Lohndifferenz zwischen Kranken- und Altenpflege: Am stärksten ist dies in Ostdeutschland der Fall, wo eine Altenpflegefachkraft fast 30 Prozent weniger verdient als die Kollegin im Krankenhaus. Im Westen beträgt die Differenz 18 Prozent. Niedersachsen ist das einzige Land, in dem die Altenpflegerin nach einer dreijährigen Ausbildung sogar 100 Euro weniger als die angelernte Helferin in der Krankenpflege bekommt. Diese Lohnschere sei nicht vernünftig zu begründen, sagte Laumann. Dieser Zustand sei unhaltbar und müsse beendet werden. Er bekräftigte den Plan der Koalition, noch vor der nächsten Wahl eine generalisierte Pflegeausbildung einzuführen, um die Altenpflege aufzuwerten. Ein einheitlicher Ausbildungsabschluss werde zudem den Wechsel der Beschäftigten zwischen Pflegeheim und Krankenhaus erleichtern.

Weitere Ergebnisse der Studie: Die Lohnschere zwischen Ost und West besteht fort. Bei den Fachkräften in der Krankenpflege reicht die Gehaltsspanne von Mecklenburg-Vorpommern mit 2636 Euro bis zum Saarland mit 3293 Euro. Bei den Helferinnen liegt Sachsen mit 1732 Euro (Krankenpflege) und 1396 Euro (Altenpflege) gleich zweimal am Ende der Lohntabelle. Die Teilzeitquote in Pflegeberufen ist deutlich höher als in anderen Branchen. Nur jede zweite Mitarbeiterin hat eine Vollzeitstelle. Die Studie bestätigt zudem die Vermutung, dass Frauen grundsätzlich weniger als männliche Kollegen verdienen. Einzige rühmliche Ausnahme: In Ostdeutschland bekommt die Krankenpflegerin das gleiche Geld wie der Krankenpfleger.

Pflegereform im Sommer: Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kündigte unterdessen an, für die nächste Stufe seiner Pflegereformen im Sommer einen Gesetzentwurf vorzulegen. Das Ziel: eine grundlegend besseren Betreuung vieler Demenzkranker in Deutschland. Künftig soll es statt drei Pflegestufen fünf Pflegegrade je nach Beeinträchtigung geben.

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