BBC-Onlinespiel „Syrian Journey“

Ein Online-Spiel spaltet die Gemüter

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Foto: „Starte deine Reise“: Flucht als Computerspiel mit gezeichneten Figuren.

- Die BBC will mit einem Onlinespiel auf Syrien-Flüchtlinge aufmerksam machen. Britische Medien kritisieren das Konzept und auch in den sozialen Netzwerken halten viele Nutzer nichts von dem Spiel. Dabei ließen sich unzählige kritikwürdigere Angebote finden.

Über Ägypten oder über die Türkei? Auf dem wenig bewachten, aber gefährlichen Seeweg oder über die schwer bewachten, aber nicht lebensbedrohenden Grenzen an Land? In der Gruppe einem zwielichtigen Schleuser ausgeliefert sein, oder auf eigene Faust sein Glück versuchen? Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien mussten in den vergangenen Jahren schwierige Entscheidungen fällen, um dem Krieg zu entkommen. Viele bezahlten die Ungewissheit der Reise nicht nur mit Tausenden Dollar für Schleuser, sondern letztlich auch mit dem Tod. Die britische BBC hat nun einen ungewöhnlichen Versuch unternommen, ihre Nutzer für das Leid der Flüchtlinge zu interessieren: mit einem Onlinespiel.

Hierbei trifft der Internetnutzer per Klick die Entscheidungen über den Verlauf der Flucht. Etwa so: Die Route über Ägypten ist gefährlich, spart aber Geld. Also Ägypten. Dann mit dem Bus nach Alexandria. Dort versetzt einen ein Schleuser, nachdem er 7000 Dollar bekommen hat. Wer sich dann nach Tagen des Wartens in einer schmutzigen Bleibe dazu entscheidet, auf die Straße zu gehen, hat verloren. „Du bist von ägyptischen Sicherheitskräften aufgegriffen worden. Noch mal versuchen.“

Eher innovative Erzählform als Unterhaltung

Das Spiel mit dem Namen „Syrian Journey“ basiert auf einem Interviewprojekt der Journalisten Mamdouh Akbiek und Eloise Dicker mit syrischen Flüchtlingen. Die möglichen Flüchtlingsrouten und eingebauten Widrigkeiten sind also gewissermaßen real. In den britischen Medien stieß das Spiel dennoch auf Kritik. „Es ist unfassbar, dass das Leid von Millionen zu einem Kinderspiel verarbeitet wird“, sagte Nah­ostexperte Chris Walker der „Sun“. Bei Twitter nannten Nutzer die Spielidee „krank“.

Dabei ließen sich auf dem an brutalen Kriegsspielen nicht armen Computerspielemarkt unzählige kritikwürdigere Angebote finden. Das BBC-Spiel ist dagegen eher innovative Erzählform als Unterhaltung. Der Spielspaß gleicht dem Ausfüllen des „Wahl-O-Mat“ – und erreicht womöglich dennoch andere Menschen als eine TV-Reportage. Denn Fluchten gibt es ja auch in sicheren Ländern: Und sei es nur die Flucht vor bedrückenden Nachrichten.

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