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Pegida sucht den Neustart in Wuppertal

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Foto: Lutz Bachmann
 probiert es nun als Anführer
im Westen.

Wuppertal - Die Pegida-Bewegung versucht einen Neustart in Wuppertal. Doch der Versuch im Westen gerät außer Kontrolle und muss vorzeitig abgebrochen werden. Auch Aushängeschild Lutz Bachmann kann die Gewalt nicht verhindern.

In Dresden, der Heimat der Pegida-Bewegung, neigt sich alles scheinbar schon dem Ende zu. Die Zahl der Demonstranten hat in den vergangenen Wochen spürbar abgenommen. Die 25.000 vom Beginn des Jahres werden jetzt längst nicht mehr erreicht. Außerdem haben sich die Organisatoren zerstritten, der gemäßigte Teil hat sich
abgespalten. Nun versuchen die selbst ernannten Bewahrer des Abendlandes einen Neustart im Westen – und zwar in Wuppertal.

Doch das ging an diesem Wochenende erst einmal schief. Den nachhaltigen Eindruck, den Pegida in Dresden im Dezember und Januar hinterlassen hat, kann die Bewegung andernorts offenbar nicht wiederholen. Dabei gibt sich die Leitfigur große Mühe. Lutz Bachmann (42), der umstrittene Anführer der Dresdner Pegida-Bewegung, kam persönlich nach Wuppertal, wollte dort ähnlich wirken wie in seiner gewohnten sächsischen Heimat. Doch der Funke sprang nicht richtig über.

Von der Bühne aus rief er seine Anhänger dazu auf, friedlich zu bleiben. „Macht jetzt nicht alles kaputt“, bat er – vergeblich. Die Veranstalter brachen die Pegida-Kundgebung schließlich ab und kritisierten, dass ihnen ein zunächst genehmigter Marsch durch Wuppertal von der Polizei aus Sicherheitsgründen verwehrt worden sei. Hooligans versuchten daraufhin, eine Polizeisperre in Richtung der Gegendemonstranten zu durchbrechen, scheiterten aber an den Beamten. Auf der Gegenseite waren Salafisten und Linksautonome gekommen – bei ihnen gab es ebenfalls eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft. Bleibt die Frage: Warum artete die Veranstaltung in Wuppertal beinahe in Gewalt aus, während des in Dresden wochenlang immer friedlich geblieben war?

Ein Grund dafür dürfte das Publikum sein: In Dresden waren organisierte Rechtsextremisten und Hooligans immer in der Minderheit geblieben. Die Pegida-Redner konnten ihre Parolen, darunter viele Hetzparolen, vor einer Kulisse von überwiegend bürgerlichen Besuchern verbreiten. In Wuppertal aber kamen zu der Pegida-Kundgebung statt der erwarteten 2000 nur rund 800 Teilnehmer – und unter diese mischten sich offenbar mehr Hooligans, als jemals in Dresden aktiv geworden waren. Außerdem reizte die Nähe der Salafisten am gleichen Ort: 200 waren gekommen. Auch die autonome Szene war zugegen.

Bachmann, der nach fremdenfeindlichen Äußerungen auf seiner Facebook-Seite für kurze Zeit nicht mehr an der Pegida-Spitze stand, bleibt das Aushängeschild der Islamisierungsgegner. In Dresden kann er zudem auf eine Art diplomatische Anerkennung stolz sein: Ende März trifft sich eine Pegida-Abordnung mit Friedrich Kitschelt (CDU), dem Staatssekretär im Bundesentwicklungshilfeministerium, zum Meinungsaustausch. Die Zeit der Unberührbarkeit ist vorbei.

Von Frank Christiansen

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