Spanische Aufsteigerpartei

Podemos scheitert an eigenen Ansprüchen

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Großer Zuspruch: Generalsekretär Pablo Iglesias im Dezember in Barcelona.

Madrid - Die Protestpartei Podemos kämpft gegen Korruption – bei ihrem Führungspersonal sind die Linken aber erstaunlich tolerant.

Cayo Lara ist ein alter Hase der spanischen Politik. Der 63-Jährige ist Chef der Vereinten Linken, der Partei, die traditionell die Wähler links der Sozialisten für sich gewann - und nun mit ansehen muss, wie ihr ein Neuling nicht nur das Terrain streitig macht, sondern sie in allen Umfragen weit hinter sich gelassen hat: Podemos, das linke Gewitter über der Parteienlandschaft Spaniens. Am Donnerstag gab der altgediente Lara seinen jungen Nebenbuhlern einen Rat: „Man kann nicht eine Sache predigen und das Gegenteil tun. Der Maßstab muss für alle derselbe sein.“

Sich am selben Maß messen zu lassen wie alle anderen, das fällt der vor einem Jahr gegründeten Partei Podemos noch schwer. Podemos, spanisch für „Wir können“, ist nach eigenem Selbstverständnis die Antwort der ­„Leute“ auf die politisch-wirtschaftliche „Kaste“, die Spanien bisher regiert. Sie wirkt wie die spanische Antwort auf die griechischen Wahlgewinner von Syriza - und erfreut sich zurzeit ebenfalls enormer Beliebtheit. Bei Umfragen kam sie zuletzt auf mehr als 20 Prozent, in einigen Erhebungen wurde sie sogar zur stärksten Kraft. Bei ihrem „Marsch des Wandels“, einer Kundgebung am Sonnabend in Madrid, erwartet die Partei mehr als 50.000 Teilnehmer.

Die schlechte wirtschaftliche Lage in Spanien, die Arbeitslosigkeit von rund 25 Prozent, alles das verschafft den neuen Linken gewaltigen Zulauf. Wenn Podemos „Angriffe“ erleidet, dann kann sich das ihr Generalsekretär Pablo Iglesias nur so erklären: Sie seien ein Ausdruck der „Nervosität derer, die Angst vor den Urnen haben“. Man werde seiner Partei in nächster Zeit noch „alles Mögliche“ vorhalten.

Im Moment wird Podemos allerdings nicht alles Mögliche, sondern eine ganz konkrete Merkwürdigkeit vorgehalten. Protagonist dieser Merkwürdigkeit ist der 52-jährige Juan Carlos Monedero, der Programmverantwortliche und Parteiideologe von Podemos, die rechte Hand von Parteichef Iglesias und wie dieser Politikprofessor an der Madrider Universidad Complutense. Monedero ist ein erklärter Fan des früheren venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, und es ist kein Geheimnis, dass er ihn einst beraten hat.

425.150 Euro für ein Konzept zur Währungsunion

Neu für die Spanier ist allerdings, wie gut sich Monedero für seine Beratertätigkeit bezahlen ließ. Die Netzzeitung „elplural.com“ machte die Geschichte in der vergangenen Woche bekannt, und Monedero bestreitet sie nicht: Im Jahr 2010 habe er zwei Monate lang an einem Konzept für eine Währungsunion der lateinamerikanischen Staatenallianz Alba gearbeitet, der unter anderem Venezuela, Ecuador und Bolivien angehören. Ende 2013 sei er dafür honoriert worden: mit 425 150 Euro.

Wo ist der Skandal?, fragten sich viele Podemos-Anhänger in den spanischen Netzforen. Da wären: Monedero versteuerte sein Salär über eine Einpersonengesellschaft, sodass er nur 19 Prozent Unternehmenssteuer statt rund 50 Prozent Einkommenssteuer zahlte. Er hätte seine Nebentätigkeit bei seinem Arbeitgeber, der Complutense-Universität anmelden müssen, was er nicht tat. Und er gehört einer Partei an, die auf ihre Bescheidenheit stolz ist: Ihre fünf Europaabgeordneten begnügen sich mit knapp 2000 Euro Monatsgehalt, den Rest ihres Einkommens spenden sie.

Nun gut, sagt Monedero, er habe sein Beraterhonorar nicht in die eigene Tasche gesteckt, sondern damit ein alternatives Fernsehprogramm, La Tuerka, finanziert. Die politischen Talkshows von La Tuerka waren das Sprungbrett von Monedero und Iglesias zu medialem Ruhm. Der Gedanke ist nicht abwegig, dass Monederos Superhonorar genau diesen Zweck verfolgte: Seine Auftraggeber von der linken Alba-Allianz wollten ein Propagandainstrument in Spanien finanzieren. Illegal ist das wahrscheinlich alles nicht. Aber auch nicht so sauber, wie es Podemos von den politischen Gegnern fordert.

In diesen Tagen hat „El País“ auch noch ans Licht gebracht, dass Monedero möglicherweise seinen Lebenslauf etwas aufgehübscht hat. Darin behauptet er, unter anderem Gastprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin gewesen zu sein, was nach den Recherchen der Zeitung nicht stimmt. Bei Podemos, dem neuen Stern an Spaniens politischem Himmel, ähnelt manches dem Altbekannten.

Von Martin Dahms

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