Welt-Reichtum immer ungerechter verteilt

Ein Prozent hat so viel Geld wie der Rest

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Foto: Ein Trend setzt sich fort: Die Ärmsten der Welt müssen Müll sammeln, um zu überleben, während die Reichsten sprichwörtlich im Geld baden.

London - Die Reichen werden immer reicher. So reich, dass nur wenige Milliardäre soviel haben wie große Teile der Weltbevölkerung zusammengenommen. Der Kampf gegen Armut und Krankheiten wird dadurch eher behindert, befürchten Menschenrechtler.

Ölscheichs, Stahlmagnaten und Oligarchen: Ein Prozent der Menschen weltweit werden im Jahr 2016 so viel Vermögen angehäuft haben, wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen. Auf dieses Missverhältnis verwies am Montag die britische Hilfsorganisation Oxfam aus Anlass des am Mittwoch in Davos beginnenden Weltwirtschaftsforums. Im Jahr 2014 besaß ein Prozent der Weltbevölkerung 48 Prozent des Vermögens.

„Der weltweite Wohlstand ist zunehmend auf eine kleine Elite konzentriert“, heißt es in dem zwölf Seiten starken Ungleichheits-Report, den Oxfam am Montag in London veröffentlichte. Die Relation ist nicht ganz neu. Bereits seit Jahren machen Oxfam und andere Menschenrechtsorganisation auf die ungleiche Verteilung des Vermögens und die daraus resultierenden Gefahren aufmerksam.

92 Milliardäre haben mehr Geld als 3,5 Milliarden Menschen

Für das Jahr 2013 hatten die Menschenrechtler etwa errechnet, dass 92 Multi-Milliardäre genauso viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen - das sind mehr als 3,5 Milliarden Menschen. Im Jahr 2015 werden es nur noch 80 sein, obgleich die Weltbevölkerung zunimmt.

Das Vermögen der Top 80 stieg seit 2010 von 1,3 auf 1,9 Billionen Dollar. Auch regional sei der Reichtum ungleich verteilt. Fast ein Drittel der auf der Forbes-Liste aufgeführten 1645 Milliardäre weltweit haben einen US-amerikanischen Pass oder leben in den Vereinigten Staaten.

Ungleichheit behindert Kampf gegen Armut

Die ungleiche Vermögensverteilung behindere den Kampf gegen die weltweite Armut, sagte Oxfam-Exekutiv-Direktorin Winnie Byanyima. Einer von neun Menschen auf der Erde habe nicht genug zu essen, eine Milliarde Menschen müssten mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zurechtkommen. Der deutsche Linken-Politiker Dietmar Bartsch nannte die Entwicklung „pervers“. Der SPD-Politiker Joachim Poß forderte die schnelle Einführung einer Finanztransaktionssteuer in Europa, um die Verursacher von Krisen an deren Kosten zu beteiligen.

Oxfam kritisiert, dass besonders viele Superreiche, die ihr Geld auf dem Pharma- und Gesundheitssektor verdienen, erheblich an Vermögen dazugewonnen haben, während die Weltgesundheit nur schrittweise vorankommt.

Byanyima wird in diesem Jahr als Co-Vorsitzende das Weltwirtschaftsforum leiten. Sie kündigte an, den Vorsitz zu nutzen, um für ein härteres Vorgehen gegen Steuervermeidung von Großkonzernen zu werben.

dpa

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