Linkspartei

Die rote Sahra fordert Gregor Gysi heraus

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Foto: Sahra Wagenknecht will Gregor Gysi als Nummer eins bei den Linken ablösen.

Berlin - Sahra Wagenknecht fordert Gregor Gysi heraus. Sie will die zweite Nummer eins bei der Linkspartei werden. Und sorgt damit für Turbulenzen – wieder einmal.

Schon wird gespottet: „Sie hat ihren Ring in den Hut geworfen“, sagt einer aus der Linken-Bundestagsfraktion - und zwar in bewusster Verkehrung der bekannten Redewendung. Das soll wohl andeuten, dass es den Ring, in den Sahra Wagenknecht ihren Hut werfen könnte, noch gar nicht gibt. Jedenfalls jetzt noch nicht. Mit ihrer Forderung, der unbestrittenen Nummer eins der Linken, Fraktionschef Gregor Gysi, eine zweite Nummer eins an die Seite zu stellen, sorgt Gysis Stellvertreterin wieder für Turbulenzen in der Linkspartei.

Gemeint hat die Lebensgefährtin von Oskar Lafontaine natürlich sich selbst. Sie beruft sich dabei auf einen Parteitagsbeschluss, der in der Fraktion allerdings nicht als „bindend“ betrachtet wird. Die 45-Jährige knüpft einen Appell an die Ansage. „Ich würde das nur machen, wenn es eine deutliche Mehrheit in der Fraktion gibt.“ Da fängt das Problem an: Diese Mehrheit ist mehr als unsicher, und der jüngste Vorstoß der wirtschaftspolitischen Sprecherin der Fraktion hat ihre Aussichten nach Einschätzung von Kollegen keineswegs gesteigert. Taktisch ist er also bedingt klug, zumal Gysi alles andere als eine „Doppelspitze“ will, die Wagenknecht für knallharte Fundamentalopposition nutzen könnte. Denn der Fraktionschef zielt darauf, die Linke langfristig für Koalitionsoptionen zu öffnen und will sie im politischen System als durchaus pragmatische Kraft salonfähig machen.

Gerade jetzt, nach der Wahl von Bodo Ramelow zum Thüringer Ministerpräsidenten, ist das sein Ziel. Die Frau aus Jena, die sich von einer roten Hardlinerin zur linken Wirtschaftsexpertin und kompetenten Finanzmarkt-Kritikerin gemausert hat, steht dagegen für Konfrontation. In den vergangenen Tagen hat sie das noch einmal unterstrichen: „Wenn eine vom Westen gesteuerte Drohne eine unschuldige arabische oder afghanische Familie auslöscht, ist das ein genauso verabscheuenswürdiges Verbrechen wie die Terroranschläge von Paris, und es sollte uns mit der gleichen Betroffenheit und dem gleichen Entsetzen erfüllen“, sagte sie. Und eine Annäherung an SPD und Grüne lehnte sie noch einmal strikt ab. Solange Sigmar Gabriel für die gleiche Politik stehe wie Angela Merkel, „sind irgendwelche Arbeitsgruppen zu Rot-Rot-Grün relativ sinnlos“, gab sie zu Protokoll.

Solche Sätze sind wenig geeignet, die Sympathien beim pragmatischen Flügel der Linken für Wagenknecht zu erhöhen. Immerhin: Wagenknecht hat, im Unterschied zu vielen Politikern der Partei, eine Ausstrahlung. Schon als Sprachrohr der „kommunistischen Plattform“ sei sie ein „Plakat“ gewesen, lästern manche. Die fotogene Politikerin, die mit zehn Sigmund Freud las, dann Kant, Marx und Engels, die auch schon einmal mit Rosa-Luxemburg-Posen kokettiert, beherrscht die scharfe Klinge. Ihr rhetorisches Talent hat Wagenknecht in vielen Talkshows genutzt, um sich als Galionsfigur der Linken zu profilieren.

Von Frank Linscheid

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