Gespielte Empörung

Schauspieler wurden für G7-Demo bezahlt

+
Foto: Umstrittenes Vorgehen: Fünf Schauspieler mischten sich bei einer Anti-G7-Demo im Auftrag der Welthungerhilfe unter die Protestierenden.

München - Bei der großen Anti-G7-Demonstration am Donnerstag in München hat die Welthungerhilfe verkleidete Schauspieler auftreten lassen, ohne dies kenntlich zu machen. Die fünf Akteure, darunter dunkelhäutige Frauen, waren als Sensenmänner verkleidet und hatten eine Gesichtshälfte als Totenkopf geschminkt.

Die Kostümierung war als Symbol für den Hungertod und als Protest gegen die Ausbeutung von Kleinbauern in armen Ländern gedacht. Die Aktion der Welthungerhilfe wurde vielfach fotografiert und in Medien veröffentlicht. Wie das Internetportal taz.de am Sonnabend berichtete, handelte es sich aber nicht um Demonstranten oder Aktivisten der Organisation, sondern um bezahlte Schauspieler.

Eine Sprecherin der Welthungerhilfe gab in der Online-Ausgabe der „Tageszeitung“ zu, dass dafür insgesamt 3000 Euro gezahlt wurden. „Tatsächlich ist es wirklich so, dass die Welthungerhilfe überhaupt keine Gelder verschwendet“, fügte sie hinzu. Der Lohn sei gerechtfertigt, weil es tagelanger Vorbereitung bedurft habe. Eine andere Sprecherin erklärte den Angaben zufolge, es sei schwer, mit einem Thema wie Hunger in die Öffentlichkeit zu gelangen.

In Pressemitteilungen und im Internet hatte die Welthungerhilfe vorher über die Aktion informiert. Dabei wird nirgends behauptet, dass es sich um Demonstranten oder eigene Aktivisten handelt – allerdings wird auch nicht deutlich gemacht, dass es bezahlte Darsteller waren.

Nach Angaben von „taz.de“ haben auch andere Nichtregierungsorganisationen für Aktionen bereits Schauspieler eingesetzt. Namentlich Campact räumte das im Artikel ein.

dpa

Kommentare