Studie zur Chancengleichheit

So schneiden Niedersachsens Schulen ab

+
Foto: Bei den Leistungen von Neuntklässlern liegt Niedersachsen in Mathematik im Mittelfeld, bei Deutsch hinter dem Bundesschnitt.

Hannover - Die Chancengerechtigkeit im deutschen Schulsystem steigt stetig, aber langsam. Zu diesem Ergebnis kommt der Chancenspiegel, den die Bertelsmann Stiftung mit der Technischen Universität Dortmund und der Universität Jena am Donnerstag veröffentlicht hat.

Weniger Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss und ergibt mehr Hochschulzugangsberechtigte. Der Bildungserfolg ist laut Chancenspiegel nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängig. Neuntklässler aus höheren sozialen Schichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung gegenüber Klassenkameraden aus ärmeren Familien.

Die Angaben beziehen sich auf Daten aus dem Jahr 2012. Niedersachsen gehört im Bereich Integrationskraft zur Spitzengruppe der Bundesländer. In der Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe zählt es zum mittleren Bereich, in der Durchlässigkeit landet es eher hinten.

Regionale Unterschiede

Rund fünf Prozent aller Schüler haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf, im Bundesschnitt sind es 6,6 Prozent, rund 4,3 Prozent gehen auf Förder-, nicht auf Regelschulen. Die Zahlen wurden allerdings zu einer Zeit erhoben, als der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap noch nicht laut Schulgesetz die Regel sein sollte. Dies ist erst seit dem Schuljahr 2013/14 der Fall, aufsteigend von den ersten und fünften Klassen an. Knapp 37 Prozent aller Schüler der Jahrgänge 1 bis 10 besuchen eine Ganztagsschule, mittlerweile dürfte der Anteil real deutlich höher sei.

42,3 Prozent der Fünftklässler besuchen nach der Grundschule ein Gymnasium, damit liegt Niedersachsen im Bundesschnitt, 2,9 Prozent der Schüler müssen eine Klasse wiederholen, im Bundesschnitt sind es 2,7 Prozent. Deutlich schlechter schneidet das Land beim Übergang in die Ausbildung ab. Nur 37,5 Prozent der Hauptschüler erhalten einen Ausbildungsplatz, im Bundesschnitt waren es mehr (41,6 Prozent).

Besonders auffällig sind laut Studie die regionalen Unterschiede beim Übergang von der Grundschule aufs Gymnasium, die Angaben variieren zwischen 26,9 und 53 Prozent.

Bei den Leistungen von Neuntklässlern liegt Niedersachsen in Mathematik im Mittelfeld, bei Deutsch hinter dem Bundesschnitt. Der Anteil derjenigen Schulabgänger, die die Hochschulreife erlangen, steigt stetig und liegt jetzt bei 56,3 Prozent, das ist besser als der Bundesschnitt von knapp 55 Prozent. Bei den Abbrechern, die die Schule ohne einen Abschluss verlassen, kommt das Land auf 5,5 Prozent und ist damit besser als der Bundesschnitt (6 Prozent).

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, bemängelte, dass bundesweit 2012 nur knapp ein Drittel aller deutschen Schüler eine Ganztagssschule besucht hätten, damit wünschten sich dies 70 Prozent der Eltern. Und kaum ein Kind (14,4 Prozent) gehe zu einer Pflichtganztagsschule, dabei biete diese Organisationsform gerade besonders gute Rahmenbedingungen, Kinder optimal zu fördern.

Kommentare