Ärger im Grenzverkehr

Schweiz sperrt deutsche Pizza aus

+
Nach langer Debatte hat die Schweizer Zollbehörde eine unbürokratische Regelung für den kleinen „Pizza-Grenzverkehr“ abgelehnt.

Basel - Viele Schweizer, die im Grenzgebiet wohnen, bestellen ihre Pizza in Weil am Rhein, denn hier gibt es die „heißeste Pizza auf Rädern“. Künftig werden die Kunden aber eher kalte Pizza bekommen: Die Schweizer machen ihre Grenze für deutsche Bringdienste dicht.

Die kleine Express-Station Milano in Weil am Rhein wirbt für die „heißeste Pizza auf Rädern“. Kunden, die im drei Kilometer entfernten Basel leben, werden künftig eher kalte Fladen bekommen: Deutsche Pizzaboten müssen neuerdings mit ihrer flachen Fracht an der Schweizer Grenze erst einmal durch den Zoll.

Nach langer Debatte hat die Schweizer Zollbehörde eine unbürokratische Regelung für den kleinen „Pizza-Grenzverkehr“ abgelehnt. Die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee zeigte sich enttäuscht: Da es die größte Nachfrage nach Pizzabestellungen am Abend gebe, also außerhalb der Öffnungszeiten des Zollamts, komme diese Praxis „einem Exportverbot gleich“.

Die deutsch-schweizerische Grenze, die sich bei Schwarzgeldtransfers zuletzt als extrem löcherig erwies, soll nun dauerhaft für den Exportschlager des deutschen Eckitalieners dicht gemacht werden. Ein Oberzolldirektor aus Bern urteilte, „dass sich eine Pizza-Sonderlösung nicht rechtfertigen“ lasse. Dies habe, so die Erklärung der Eidgenossen, mit Zollabgaben, Lebensmittelvorschriften und agrarpolitischen Bestimmungen zu tun. Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Schweizer Anbietern müssten verhindert werden.

Wer jemals in einer Schweizer Pizzeria war, kennt die simple Wahrheit: Die Pizzen dort sind unverschämt teuer. Ein kurzer Preisvergleich entlang des Oberrheins zeigt bei einer einfachen Pizza Margherita eine Spanne zwischen 4,90 Euro (Deutschland) und umgerechnet 13,30 Euro (Basel, Schweiz). Da fällt es nicht groß ins Gewicht, dass die Schweizer mit 30 Zentimetern Umfang den Teig etwas breiter ausrollen. Sollten unsere hungrigen Nachbarn nicht zur Mikrowelle greifen wollen, bleibt ihnen künftig nur ein Ausweg: ein paar Franken ansparen und mal wieder die Pizzeria nebenan besuchen. Da gibt’s diese Woche „Pizza Käsefondue“ für umgerechnet 20 Euro. Geselliges Motto: „Fondue esch guet ond get e gueti Luune!“

Von Harald John

Kommentare