Enthüllungsplattform Wikileaks

NSA spionierte auch Kohl-Regierung aus

Berlin/München - Der US-Geheimdienst NSA hat das Kanzleramt nach Informationen der Enthüllungsplattform Wikileaks über Jahrzehnte abgehört. Das berichteten die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR am Mittwochabend unter Berufung auf Wikileaks-Unterlagen, die sie vorab einsehen konnten.

Betroffen waren demnach neben der Regierung von Angela Merkel (CDU) offenbar auch die Regierungen ihrer Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) und Helmut Kohl (CDU). Auf der nun veröffentlichten Liste mit NSA-Spähzielen stehen dem Bericht zufolge insgesamt 56 Nummern, von denen etwa zwei Dutzend bis heute die aktuellen Nummern aus Merkels engster Umgebung seien. Darunter seien die Durchwahlen ihrer Büroleiterin und Vertrauten Beate Baumann, des Kanzleramtsministers Peter Altmaier (CDU) und des für die Koordination der Geheimdienste zuständigen Staatssekretärs Klaus-Dieter Fritsche.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sei unter der Bezeichnung "Parl Merkel Advisor Kauder" aufgeführt. Zu finden sei auch die bis heute aktive Handynummer des früheren Kanzleramtschefs Ronald Pofalla (CDU). Bereits vor einer Woche war durch Wikileaks bekanntgeworden, dass die NSA wohl mindestens bis zurück in die 1990er Jahre weite der Teile der Bundesregierung ausgespäht haben soll. Altmaier hatte daraufhin US-Botschafter John B. Emerson ins Kanzleramt zitiert.

dpa

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