Steuer-Absetzbarkeit

Steuerbonus für Gebäudedämmung gestoppt

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Foto: Über die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung konnte im Koalitionsausschuss keine Einigung erzielt werden.

Berlin - Für das bessere Dämmen von Gebäuden sollte es in Zukunft einen Steuerbonus geben: Rückwirkend ab Januar sollten Gebäudebesitzer 10 bis 25 Prozent ihrer Sanierungskosten von der Steuerlast abziehen können. Doch der Vorschlag ist im Koalitionsausschuss gescheitert.

Hausbesitzer in Deutschland müssen überraschend auf einen Steuerbonus für das energetische Sanieren ihrer Häuser verzichten – die Koalition hat die finanzielle Förderung gestoppt. Der Bonus mit einem Volumen von einer Milliarde Euro im Jahr sollte rückwirkend ab Januar gelten, bis zu 25 Prozent der Sanierungskosten sollten absetzbar sein. Das scheiterte nun im Koalitionsausschuss an Finanzierungsfragen. Damit bleibt es vorerst bei den bisherigen Regeln zur steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen.

Das Aus für den Steuerbonus gilt als fatales Signal, weil jetzt die Sanierungssaison beginnt. Erst im Dezember hatten sich die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf den Steuerbonus verständigt. Erklärtes Ziel war es, Energiesparen und Klimaschutz durch den steuerlich begünstigten Austausch von Fenstern und alten Heizkesseln sowie durch das Dämmen von Wänden und Dächern zu stärken. Vor allem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sperrte sich jedoch dagegen, dass zur Gegenfinanzierung der Handwerkerbonus abgeschmolzen werden sollte. Dann wären nur noch Leistungen oberhalb von 300 Euro von der Steuerschuld abziehbar gewesen.

Ob es einen Neuanlauf für einen Steuerbonus gibt, ist noch unklar. Grünen-Chefin Simone Peter sprach von einer „peinlichen Rolle rückwärts“. „Die Bundesregierung hat keinen Plan, die klimaschädliche Energieverschwendung in schlecht gedämmten Gebäuden zu beenden“, kritisierte sie. Der Generalsekretär des Handwerksverbands, Holger Schwannecke, sagte: „Der Schwarze Peter gehört den Haushältern zahlreicher Bundesländer, die trotz sprudelnder Steuereinnahmen eine Förderung der Energiewende ablehnen.“ Auch aus der Unions-Fraktion hieß es, die Länder hätten sich nicht ausreichend an der Finanzierung beteiligen wollen. Gebäudebesitzer sollten dem Plan zufolge 10 bis 25 Prozent ihrer Sanierungskosten von der Steuerlast abziehen können. Der Bonus sollte beim Finanzamt nicht auf einmal geltend gemacht werden können, sondern über zehn Jahre verteilt.

Durch das vorläufige Aus gerät auch das Ziel in Gefahr, den klimaschädlichen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Mehrere Millionen Gebäude und Heizungen in Deutschland gelten als ineffizient. Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sagte, ohne die Steueranreize sei das „deutsche Klimaschutzziel nicht zu schaffen“. Ähnliche Kritik kam vom Bundesverband der Deutschen Industrie.

In Hannover kritisierte Rainer Beckmann vom Verein „Haus & Grundeigentum“ das Aus für den Steuerbonus: „Die Sanierungsvorhaben vieler Eigentümer sind in weite Ferne gerückt. Sie werden sie aufschieben, wenn nicht sogar ganz darauf verzichten. Energie wird aber immer teurer werden. Auch für Mieter ist das problematisch, weil die Nebenkosten steigen, wenn die Vermieter die Häuser nicht energetisch sanieren lassen.“ Dietmar Rokahr, Geschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, sagte, zwar sei die Region Hannover bei der energetischen Sanierung etwa durch das Förderprojekt Proklima von Enercity gut aufgestellt. Aber das könne keine Alternative zu einer Steuerförderung sein.

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