Workshops für Politiker

Stilberatung für die Grünen

+
Foto: Jens Kerstan und Katharina Fegebank, posieren in Hamburg. An der Außenwirkung der Grünen wird seit der Bundestagswahl und dem Austausch der Führungscrew viel herumgemäkelt.

- Die Grünen lernen Ausstrahlung: Atemübungen und Schauspieltraining sollen die Politiker der Ökopartei attraktiver machen. Allerdings ist das Echo unter den Bundestagsabgeordneten eher dürftig, wie in der Pressestelle zu erfahren ist.

An der Außenwirkung der Grünen wird seit der Bundestagswahl und dem Austausch der Führungscrew viel herumgemäkelt. Weder die beiden Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter noch die Partei-Doppelspitze Simone Peter und Cem Özdemir gelten als Charismatiker. Um das zu ändern, wird den Grünen jetzt auch Schauspielunterricht und Atemtraining angeboten.

Die Weiterbildungsabteilung der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung bietet in ihrem Programm besonders innovative Workshops für Politiker an: In einem Kurs für „Präsenztraining“ sollen Grüne Ausstrahlung lernen. „Auf kreativitätsfördernde und unterhaltsame Weise erfahren wir mithilfe von Bewegungs-, Atem- und Stimmübungen, vor allem auch durch Schauspiel- und Improvisationstechniken mehr über bisher ungenutzte Potenziale“, heißt es da.

Auch zum „individuellen (Kleidungs-) Stil“ soll es Beratung geben. Zu lernen ist unter anderem „emotionale Beteiligung“. Entsprechende Angebote bewarb „Green Campus“ zuletzt auf der Grünen-Klausur in Weimar. Allerdings: Das Echo unter den Bundestagsabgeordneten ist eher dürftig, wie in der Pressestelle zu erfahren ist.

Zum einen mag das am Charakter der Hauptdarsteller liegen, die nicht in erster Linie auf Show setzen mögen, sondern aufs Authentische. So gehört es sich ja eigentlich auch für eine Nachhaltigkeitspartei. „Der Toni Hofreiter ist ein Typ, der braucht keinen Unterricht“, heißt es in der Fraktion über den Bayer mit blonder Langhaarfrisur.

Alte Profis haben ohnehin wenig Nachholbedarf. Dazu zählt Ex-Fraktionschefin Renate Künast, die keinen Mangel an „Präsenz“ erkennen lässt. Im Gegenteil, sie hat selbst schon einmal Spontan-Workshops für Anwältinnen gegeben. Deshalb weiß sie aber, dass die Wirkung von Politikern nicht zuletzt auf Körpersprache beruht. „Jeder Dachdecker weiß, wie er sich bei der Arbeit einen sicheren Stand verschafft. Also: Warum soll ein Politiker nicht wissen, wie er am Redepult steht?“ Andere Grüne amüsieren sich eher über das gut gemeinte Angebot. „Die Politik ist nicht Hollywood“, sagt Medienpolitiker Konstantin von Notz. Die 30-jährige Abgeordnete Luise Amtsberg geht das Thema ironisch-selbstbewusst an. „Ich bin ein Naturtalent“, feixt sie. „Deshalb brauch’ ich keinen Unterricht.“

Kommentare