Welle der Gewalt

20 Tote bei erneutem Anschlag in Afghanistan

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Kabul - Extremisten überziehen Afghanistan mit einer Welle der Gewalt. Nach Attacken in der Hauptstadt Kabul ist nun das frühere Einsatzgebiet der Bundeswehr das Ziel ihrer Bomben.

Ein neuer Anschlag mit mehr als 20 Toten hat Afghanistan erschüttert. Ein Selbstmordattentäter aus den Reihen der Taliban brachte nach Behördenangaben in der Nacht zum Sonntag in der nördlichen Provinz Kundus ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug zur Explosion. Einem Polizeisprecher zufolge galt das Attentat einer Versammlung regierungstreuer Milizen im Bezirk Chanabad. Mindestens 22 Menschen starben. Zuvor war Kabul seit dem frühen Freitagmorgen Ziel der schwersten Anschlagserie in der Hauptstadt seit Jahren. Dutzende Menschen wurden dabei getötet, Hunderte verletzt.

Wie der Gouverneur des Distrikts Chanabad, Hajatullah Amiri, sagte, war der Wagen des Selbstmordattentäters beladen mit selbst gebauten Sprengsätzen. Das Fahrzeug sei nahe des Milizen-Treffens explodiert. Unter den Getöteten seien vier lokale Kommandeure. Die Taliban beschrieben die Versammlung als "wichtige Zusammenkunft von Anti-Taliban-Milizionären". Die Sicherheitslage in der Provinz Kundus ist schlecht. Das ehemalige Einsatzgebiet der Bundeswehr wurde kürzlich beinahe von den Taliban überrannt.

Taliban-Kämpfer hatten zuvor in Kabul eine Basis der Nato-geführten Ausbildungsmission Resolute Support (RS) angegriffen. Davor sprengte sich ein Selbstmordattentäter der Radikalislamisten vor der Polizeiakademie in der Hauptstadt in die Luft. Am frühen Morgen war eine Lastwagenbombe in Kabul detoniert. Wer hierfür verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Bei diesen drei Vorfällen starben etwa 50 Menschen.

Die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, sprach am Samstag telefonisch mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani über die Anschlagserie. Dabei sagte sie ihm anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus zu. Bei dem Angriff auf die RS-Basis war nach Angaben des US-Präsidialamtes ein amerikanischer Soldat getötet worden.

Kundus gilt als die in diesem Jahr bislang gefährlichste Provinz für Zivilisten. Lokale Milizen, etwa aus Dörfern, stellen sich hier den Taliban entgegen. Beobachtern zufolge sollen einige von ihnen jedoch auch Zivilisten ermordet und illegal Steuern eingetrieben haben.

Der Welle der Gewalt voran ging ein Führungswechsel bei den Taliban. Dabei zeigten sich Anzeichen innerer Konflikte. So verweigerte die Familie des bisherigen Taliban-Chefs Mullah Omar dem neuen Anführer die Gefolgschaft und begründete dies mit Differenzen zu Achtar Mohammad Mansur.

dpa

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