Kommentar

Tsipras hat zu hoch gepokert

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Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat mit seinem Vorschlag zu einem Referendum zu hoch gepokert.

Brüssel - Das von Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras vorgeschlagene Referendum über die Spar- und Reformauflagen der Gläubiger ist ein riskantes Pokerspiel. Doch diese Euro-Zone hat Spielregeln, die man nicht einfach brechen kann. Ein Kommentar von Detlef Drewes.

Niemand bestreitet, dass der griechische Regierungschef das Recht hat, seine Wähler um Zustimmung für ein derart drastisches Sparprogramm an die Urnen zu rufen. Aber darum ging es Alexis Tsipras nicht.

Der Premier setzt mit diesem Vorstoß, den er nicht mit seinem Euro-Partnern abgesprochen hat, seine Versuche fort, die Währungsunion zu erpressen. Als nichts mehr ging und all Staats- und Regierungschefs schon einen neuen Vorschlag der Geldgeber lobten, versuchte er mit einem letzten Trick, die Verlängerung des gegenwärtigen zweiten Hilfsprogramm zu erzwingen. Er scheiterte.

Sicherlich auch, weil seine Regierung alles Vertrauen verspielt hat. Aber auch, weil diese Euro-Zone Spielregeln hat, die man nicht einfach brechen kann. 18 Helfer tanzen nach der Pfeife des einen Mitglieds, das mit dem Rücken zur Wand steht und nichts ändern will? Das konnte nicht gutgehen.

Tsipras hat zu hoch gepokert. Am Samstag war nicht klar, woher jetzt noch eine Rettung kommen könnte, die die drohende Spirale in Richtung eines Grexits aufhalten sollte. Die Abstimmung in Griechenland hat längst begonnen. Die Menschen haben Angst, sie sichern ihr Geld, legen Vorräte an. Wie kann die eigene Regierung das nur übersehen?

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