Chinesischer Hackerangriff?

Vier Millionen US-Beamte ausspioniert

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Foto: Hacker aus China drangen nach US-Medienberichten in Computer des Office of Personal Management (OPM) ein.

Washington - Sensible persönliche Daten von mehr als vier Millionen amerikanischen Bundesbeamten sind offenbar in die Händen von Hackern geraten. Bei dem Cyberangriff handelt es sich nach Angaben der US-Regierung um eine großangelegte chinesische Spionageaktion.

Peking wies die Anschuldigungen am Freitag entschieden zurück: "Vorwürfe dieser Art sind verantwortungslos", sagte Zhu Haiquan, Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington. Senatorin Susan Collins spricht dagegen von einem ernsten Angriffen auf die Sicherheit Amerikas. Die Republikanerin, die seit Jahren im Geheimdienstausschuss tätig ist, befürchtet, dass der Datendiebstahl Teil einer langfristigen Strategie sein könnte: Mit Hilfe der gestohlenen Daten könnten die betroffenen Beamten im Zweifelsfall erpresst werden. Nicht auszuschließen sei zudem, dass im Namen dieser Beamten gefälschte Briefe verschickt werden.

Die Hacker drangen offenbar in das System des "Office of Personnel Management" (OPM) ein, das zentrale Dienstleistungen für aktive und ehemalige Mitarbeiter der Bundesbehörden erbringt. Besonders pikant: Die OPM ist auch für die Sicherheitsüberprüfung der Beamten zuständig. Die Personalabteilung fällt damit indirekt die Entscheidung, auf welcher Ebene die Mitarbeiter Zugang zu geheimen Informationen erhalten.

Besorgt zeigen sich die Fahnder des US-Heimatschutzministeriums und des FBI insbesondere über den massenhaften Diebstahl von Sozialversicherungsnummern (SSN), die in den USA fast den Stellenwert eines Personalausweises besitzen. OPM-Chefin Katherine Archuleta versicherte gestern, dass die Sicherheitslücken mittlerweile geschlossen seien. Für die US-Regierung kommt der erneute Hackerangriff zur Unzeit: Erst vor wenigen Tagen griffen Unbekannte mehr als 100.000 Dokumente der Steuerbehörde IRS ab. Da die Steuererklärungen der US-Bürger mittlerweile vollständig digital bearbeitet werden, befürchten Experten auch hier ein hohes Erpressungspotenzial.

Im Oktober räumte sogar das Weiße Haus eine Panne ein: Hacker sollen zeitweise bis in den persönlichen Terminkalender von US-Präsident Barack Obama vorgedrungen sein. Bei diesem Vorfall wurden die Täter in Russland vermutet. Das Pentagon warnt seit Jahren vor den Gefahren eines unerklärten Cyberkriegs. Die Leistungsfähigkeit chinesischer und russischer Hacker dürfe nicht unterschätzt werden. Tatsächlich hatte das Verteidigungsministerium in Peking bereits vor vier Jahren hervorgehoben, eine Armee aufzubauen, die für den Krieg im Internet gerüstet sei.

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