Massiver Netzausbau

So will die Bahn den Fernverkehr umkrempeln

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Die Bahn will den Fernverkehr massiv ausbauen.

Hannover/Berlin - Mit modernen Zügen, mehr Verbindungen und Gratis-Reservierungen will die Deutsche Bahn auf die wachsende Konkurrenz durch Fernbusse reagieren. In Niedersachsen ist dabei vor allem Oldenburg der Gewinner, das deutlich häufiger angefahren werden soll. Start für das Projekt ist aber erst 2018.

Verbraucherschützer und die Initiative Pro Bahn lobten die in Berlin vorgestellte Kundenoffensive, nannten es aber bedauerlich, dass das Programm erst im Jahr 2030 vollständig umgesetzt sein soll. Deutschlandweit werde es „keine weißen Flecken im Fernverkehr“ mehr geben, versprach Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg. So werde es bis 2030 zwischen den Metropolen rund 150 ICE-Fahrten mehr geben als heute. Auch Hannover wird davon profitieren: Der Verbindungstakt nach Berlin wird von einem auf zwei ICEs pro Stunde ausgebaut. Stark erweitert werden soll auch das IC-Netz: Ab 2030 sollen alle deutschen Großstädte ab 100.000 Einwohnern angebunden sein. In Niedersachsen ist dabei vor allem Oldenburg der Gewinner, das deutlich häufiger angefahren werden soll. Neu sind auch 15 Halte in kleineren Orten. Auch bei Service und Preisen will die Bahn besser werden.

Die Bahn lässt sich die Kundenoffensive 12 Milliarden Euro kosten, wobei ein Großteil auf die neuen Züge entfällt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte: „Mit diesen Zielen wird die Bahn ihre Attraktivität für Kunden erheblich steigern - und kann zum Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts werden.“ Der Ausbau des Schienenverkehrs soll 1500 neue Arbeitsplätze schaffen und beträchtliche Umwelteffekte haben. So sollen pro Jahr 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Das plant die Bahn konkret:

Reservierung: Bei allen Tickets in der zweiten Klasse ist die Sitzplatzreservierung künftig inklusive, man muss also nicht mehr extra dafür zahlen. In der ersten Klasse gibt es diesen Service bereits.

Komfort: In allen ICEs soll es kostenloses WLAN und Bordunterhaltung geben. Kunden können dann Filme, Podcasts oder Spiele runterladen. Signalverstärker sorgen dafür, dass Telefongespräche seltener abbrechen. Alle jetzigen IC-Züge werden durch Doppelstockwagen ersetzt, in denen die Fahrradmitnahme grundsätzlich möglich sein wird.

Sparpreise: Ab 2016 sollen in Intercitys Sparpreise bis kurz vor der Abfahrt erhältlich sein, in den Doppelstock-ICs kann man schon ab 19 Euro mitfahren. Möglicherweise können Reisende in einigen Regionen Intercitys bald auch mit Nahverkehrsticket nutzen.

Kürzere Reisezeiten: Die neue Strecke zwischen Nürnberg und Berlin ist vor der Fertigstellung. Dadurch soll sich die Fahrt von Frankfurt nach Dresden um rund eine Stunde verkürzen. Berlin-München soll ab 2018 weniger als vier Stunden dauern.

Bahncard: Die drei Bahncard-Varianten 25, 50 und 100 bleiben. Außerdem sollen noch in diesem Jahr alle Modelle der Bahncard auch für eine Laufzeit von drei Monaten erhältlich sein.

Die Allianz pro Schiene, eine Initiative zahlreicher Umwelt- und Verkehrsverbände, begrüßt das Konzept. Nun sei aber Unterstützung der Politik nötig, fordert Geschäftsführer Dirk Flege. So werde die Bahn im Wettbewerb mit Flugzeugen und Bussen immer noch stark benachteiligt. Nach Ansicht der Verbraucherzentralen kann das DB-Konzept nur der Anfang sein. Nötig sei ein Mentalitätswandel im ganzen Konzern hin zu mehr Kundenorientierung.

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