Islamistische Terrormiliz

IS zerstört antiken Tempel in Palmyra

+
Der bereits vor einer Woche in Palmyra zerstörte Tempel war dem phönizischen Himmelsgott Baalschamin gewidmet.

Bagdad - Die Zerstörungswut der IS-Terrormiliz kennt keine Grenzen. Nach und nach zertrümmern die Extremisten das Unesco-Welterbe in der Wüste Zentralsyriens. Sie wollen bis zum letzten Gebäude weitermachen.

Die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat Aktivisten zufolge Teile des größten Tempels im syrischen Palmyra in die Luft gesprengt. IS-Extremisten hätten Sprengstoff im Inneren des Baal-Tempels zur Detonation gebracht und Schäden angerichtet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nacht zu Montag. Ein Aktivist berichtete ebenfalls von Zerstörungen. Der Leiter der syrischen Antiquitätenbehörde in Damaskus bestätigte die Angaben zunächst nicht.

Erst vor einer Woche hatte der IS den antiken Tempel von Baalschamin in Palmyra in die Luft gesprengt und damit international Bestürzung hervorgerufen. Auf Bildern der Miliz waren Kämpfer zu sehen, die offenbar mit Sprengstoff gefüllte Fässer und andere Behälter platzierten. Andere Aufnahmen zeigten eine Explosion und dann ein Trümmerfeld. In der Tempelanlage von Baal - der größten in der Unesco-Welterbestätte Palmyra - wiederholte sich das Szenario offenbar: „Sie haben Sprengstoff in Behältern und vorbereiteten Fässern abgestellt“, sagte der Aktivist Mohammed Hassan al-Homsi. Durch die Explosion sei der Innenraum zerstört worden.

Vor der Verbreitung des Christentums in der Gegend im zweiten Jahrhundert nach Christus wurde dort die Dreifaltigkeit Baal, Jarhibol (Sonne) und Aglibol (Mond) angebetet. Der bereits vor einer Woche in Palmyra zerstörte Tempel war dem phönizischen Himmelsgott Baalschamin gewidmet. Dieser Bau war im Jahr 17 nach Christus begonnen und vom römischen Kaiser Hadrian 130 erweitert und verschönert worden. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 besuchten jährlich mehr als 150 000 Touristen die Ruinen von Palmyra und bewunderten die lange Säulenstraße, die mächtigen Portale, die Tempel und die weitläufige Nekropole mit ihren mehr als 500 Grabmälern.

Der IS hatte die antike Stadt Palmyra Ende Mai erobert. Seither mehren sich die Hinweise, dass die Extremisten die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Schätze der Stadt nach und nach zerstören, um so möglichst sämtliche Zeugnisse vormuslimischer Kulturen zu vernichten.

dpa/afp

Kommentare