Uwe Fingerhut aus Külte mit Mountainbike unterwegs auf höchster Radstrecke

1400 Kilometer durch Tibet

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Volkmarsen-Külte - Die 1400 Kilometer durch Tibet wird Uwe Fingerhut nicht vergessen. Er hat die höchste Mountainbiketour mit etwa 5500 Meter hohen Pässen bewältigt.

Für den Amateurradsportler aus Külte ist es das „Highlight“ in den gut zwölf Jahren gewesen, die er bereits mit dem Mountainbike unterwegs ist. Zählten bisher Touren in den Alpen zu den größeren Herausforderungen, so ließ er sich vor ein par Jahren von einem Freund dazu überreden, das tibetische Hochplateau von Lhasa bis nach Nepal zur strampeln. Höhen von 3000 bis 5500 Metern mussten bewältigt werden, nicht nur über Straßen, sondern auch über schmale Schotterpfade in den Bergregionen. Insgesamt steckten Fingerhut 16 000 Höhenmeter in den Waden, als die Gruppe fast vollzählig und wohlbehalten am Ende in Nepal eintraf. Zudem hat er neue Freundschaften geschlossen.

Gute Vorbereitung

Doch vor den Erfolg setzen die Götter bekanntlich den Schweiß. Davon hat der Külter bereits vor der Fahrradexkursion seines Lebens schon reichlich vergossen. Und um ganz sicher gehen zu können, dass die sauerstoffarme Höhenluft ihn nicht zu Boden zwingt, hat er in der Nähe von Emstal ein Höhentraining in einer eigens für Sportler eingerichteten Kabine absolviert. Schließlich ging es nicht nur darum, kraftraubende Anstiege zu bewältigen, sondern auch bei Downhill-Passagen über schwieriges Terrain einen klaren Kopf zu behalten und nicht aus dem letzten Loch zu pfeifen.

Bei der von einem erfahrenen schweizerischen Veranstalter organisierten Reise waren die Mountainbikefahrer von Guides aus der Schweiz, Nepal und der Autonomen Region Tibet begleitet worden, wie das riesige Land seit der gewaltsamen Annexion durch China heißt. Die Teilnehmer mussten ihre eigenen Fahrräder mitbringen und sich bei einer Obergrenze von 30 Kilogramm beim übrigen Gepäck beschränken. Die Organisatoren hatten eine Begleitmannschaft mit Fahrzeugen organisiert, aber waren auf allerhand Überraschungen gefasst, die niemand vorhersehen kann.

Mit dem Flugzeug und Überlandbus ging es nach Lhasa, wo die ersten Reisenden schon Anzeichen der Höhenkrankheit zeigten und eine Teilnehmerin aus Berlin in der dünnen Luft auf 3600 Metern plötzlich zusammenbrach. Doch sie berappelte sich mit ärztlicher Hilfe eines Mitreisenden, und so konnte es zunächst mit einem Lkw zum Ausgangspunkt gehen.

Durch weite, karge Landschaften mit den Gipfeln prominenter, eisbedeckter Berge vor Augen, ging es auf zwei Rädern bei überwiegend strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 20 Grad durchs Land. Unterwegs Tibeter bei der Feldarbeit oder zusammen mit Yak-Herden unterwegs. Endrucksvoll waren auch die Besuche buddhistischer Klöster. Lastwagen ratterte über die Höhenpisten, und immer wieder kontrollierten Militärposten die Gruppe. An einem Tag zwang ein Manöver zu einem ungeplanten Stopp, die bereits vorausgefahrene Begleitmannschaft musste die Zelte abbrechen und zurück zur Mountainbike-Truppe fahren. Denn die unerwartet zum Übungsgebiet gewordene Etappe war für die Radfahrer gesperrt.

Die gemeinsame Tour mit den Männern und Frauen durch Tibet war für Fingerhut en besonderes Erlebnis, freilich auch das Erleben der Himalaya-Region. „Das, was ursprünglich nicht mein Traum war, ist nun zu einer traumhaften Reise geworden“, schildert er die Begegnungen mit Reisekollegen wie Einheimischen.

Doch um ein Haar wäre ein Schweizer aus der Gruppe bei einem Sturz aufgrund Problemen mit der Höhenkrankheit ums Leben gekommen. Er hatte sich mehrere Rippen gebrochen, und eine davon hatte eine Lunge durchstoßen und sie damit außer Funktion gesetzt. Der Mann kam glücklicherweise schnell ins nahe gelegene Krankenhaus. Eine Verzögerung hätte ihn wahrscheinlich das Leben gekostet. Nach langem Hin und Her gelang es, europäische Ärzte zur Behandlung einzufliegen, für den Schweizer war Toure-Ede. Inzwischen hat sich der Mann wieder erholt.

Die übrigen Mountainbikefahrer mussten weiter. Die kommenden starken Eindrücke verdrängten den Schock alsbald. Vom Hochland ging es schließlich 3600 Höhenmeter bergab ins subtropische Nepal, bei Regen und haarigen Verkehrssituationen. Fingerhut ist die Reise in bester Erinnerung geblieben. Ende des Monats ist ein Wiedersehen aller Fahrtteilnehmer am Matterhorn geplant.

In seinem Heimatort hat der verheiratete Familienvater schon zahlreiche Bilder gezeigt. Das Interesse war riesig: Statt der erwarteten 100 Besucher kamen schließlich 200 in die Nordwaldeckhalle.

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