834 Volkmarser Taufen und 362 Trauungen in 40 Jahren

Abschied voller Dankbarkeit

Volkmarsen - Bunte Fahnenabordnungen der Vereine, festliche Uniformen und Gewänder und die Kirche so voll, dass manche im Eingangsbereich stehen mussten - so feierte Volkmarsen den Abschied von Pfarrer Edgar Hohmann nach über 40 Jahren seelsorgerischer Tätigkeit.

Hoffnung und Zuversicht verteilte Pfarrer Edgar Hohmann mit seiner letzten Predigt: „Jedem wird die Liebe geschenkt, damit sein Leben gelingen kann“, bezog er sich auf die Speisung der 5000 im Markus-Evangelium.

Und dass „es nicht immer der Priester sein muss, sondern ein jeder kann dem Anderen Hirte sein“, mag der Gemeinde über die Zeit hinweghelfen, bis der neue Pfarrer, Martin Fischer, am 15. August seinen ersten Gottesdienst hält.

Als Seelsorger, Manager, Kommunikator, Werbeträger und Träger vieler wichtiger sozialer Einrichtungen musste sich Pfarrer Hohmann laut Bürgermeister Hartmut Linnekugel auf vielen Ebenen bewegen. In schönen Momenten, aber auch in Trauer und Verzweiflung sei er immer Ansprechpartner in Glaubens- wie in existenziellen Fragen gewesen und habe stets hinter dem gestanden, was er sagte.

„Ich habe getan, was ich konnte und was Gott gab“, würdigte die evangelische Pfarrerin, Britta Holk-Gerstung, mit den Worten von Rabanus Maurus das segensreiche Wirken Hohmanns. Die Grenzen zwischen den Konfessionen habe er deutlich entschärft.

Auch die Pfarrerin der evangelischen Kirche Wolfhagen, Katharina Ufholz, die noch ganz am Anfang ihrer seelsorgerischen Laufbahn steht, zeigte sich begeistert von der gelebten Ökumene im Wolfhager Land, die von Pfarrer Hohmann mit viel Engagement unterstützt wird.

Ebenso äußerte sich Karin Ludwig-Heiderich. Die ehemalige Volkmarser Pfarrerin bezeichnete das Zusammenwirken ihres eigenen Vorgängers, Wolf-Benjamin Gittermann, mit Hohmann als die Tür zur Ökumene, die beide aufgestoßen hätten. Dechant Harald Fischer von der Kasseler Gemeinde St. Familia, der am 6. September den neuen Pfarrer, Martin Fischer, in sein Amt einführen wird, reihte sich in die Kette der Gratulanten ein. In ein rustikales „Vergelt’s Gott“ für die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit mündete die Dankesrede von Rajmond Eckenberger, dem Vorsitzenden des katholischen Wolfhager Pfarrgemeinderats, der für den Pastoralverband St. Heimerad sprach.

Überfordert von der Bitte, nur „ein paar Worte“ für jemanden zu sprechen, der ihr ganzes Leben begleitet hat, fühlte sich Ilona Schmand, Leiterin der katholischen Kindertagesstätte. Wenn die Jugend Fragen zur Durchführbarkeit ihrer Pläne hatte, sei „Macht das, Ihr schafft das!“ stets die ermutigende Antwort des „Chefs“ gewesen, wie sie ihn nannte, obwohl er diesen Titel nicht gern höre.

In Versform erinnerten Eva Jakob und Marianne Tepel vom Arbeitskreis Kindergottesdienst an die vielen gemeinsamen Ausflüge, die einmal sogar nach Rom führten.

Stellvertretend für die Volkmarser Vereine traten Hendrik Vahle (Schützengesellschaft), Christian Diste (Karnevalsgesellschaft), Bruno Kramer (Turnverein), Andreas Flore (freiwillige Feuerwehr) und Peter Kohaupt (Musikverein) gemeinsam an den Altar. Auch sie brachten gereimte Dankworte vor. Unter anderem schlug Kramer vor, Hohmann könne, jetzt im Ruhestand, wieder die Tischtennisgruppe verstärken.

Nach der langen Redner-Reihe hob der evangelische Naumburger Pfarrer i. R., Ulrich Trzeciok, seine Laudatio an: „Willkommen im Rentnerclub!“

Verwaltungsratsvorsitzender Karl-Heinz Kollmann stellte anerkennend fest, Hohmann besitze die Gabe, schon ein „Ja“ zu bekommen, bevor er um etwas gebeten habe. Dies läge an seiner Kenntnis der Mechanismen und an seinem Charme. Man müsse nicht katholisch sein, um ihn als Pfarrer zu mögen.

Hohmann habe besonders in der Jugendarbeit, der Ökumene und der Kolpingfamilie gewirkt. 1146 Beerdigungen, 362 Trauungen, 1046 Erstkommunionen und 834 Taufen seien die greifbaren Zahlen aus über 40 Jahren Tätigkeit.

Er könne ja nur „Danke“ sagen, und nach all diesen Worten den lieben Gott bitten, er möge „Euch all diese Übertreibungen verzeihen. Mir haben sie gutgetan“, meinte Hohmann.

In einem Festzug zog die Gemeinde nach dreieinhalb Stunden Festakt zum Gemeindehaus St. Hedwig und in den Rosengarten ein, wo noch lange Abschied gefeiert wurde.

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