Fast 30 Gruppen lassen es beim Treffen der Waldecker Kanoniere bei Rhoden krachen

Aus allen Rohren gefeuert

Diemelstadt-Rhoden - Die Erde bebte, durch die Luft waberten Nebelfelder und der Geruch von Schwarzpulver setzte sich im Stoff der Uniformjacken fest: Stilecht feierten die Waldecker Kanoniere am Samstag ihr großes Wiedersehen in Rhoden.

Der Verkauf von Grieß muss in den vergangenen Tagen im Waldecker Land deutlich zugenommen haben. Denn als die Kanoniere am Samstagmorgen bei Rhoden ihre Holzkisten öffnen, da entdecken aufmerksame Besucher vor allem eines: Viele Schachteln Grieß – gleich neben Zündern, Gehörschutz und kleinen Filmdöschen mit Böllerpulver. „Der Umwelt zu Liebe verdämmen wir heute mit Hartgrieß“, erklärt Roland Melcher, Vorsitzender der Gemeinschaft der Waldecker Kanoniere, schließlich. Und das bedeutet, dass gleich nach dem schwarzen Böllerpulver der Grieß in die Kanonen wandert, ordentlich gestopft wird, bevor das Feuer ins Spiel kommt. Fast 30 Gruppen aus dem Waldecker Land und weit darüber hinaus, haben sich mit ihren Kanonen auf den Weg nach Rhoden gemacht. Deren Schützengesellschaft ist in diesem Jahr ohnehin in Feststimmung, schließlich steht vom 24. bis 27. Juli das große Schützenfest im Terminkalender. Als Gastgeber beweisen sich die Schützen aus Rhoden bereits beim Treffen der Waldecker Kanoniere. Ein großes, mittelalterlich anmutendes Zelt steht am Sportplatz und rundherum haben die Kanoniere am Samstagmorgen die Kanonen aufgebaut. Sie sind aus Flechtdorf, Goddelsheim und Korbach ebenso gekommen wie aus Kassel, Warstein und Anröchte. „Als wir die Gemeinschaft vor 26 Jahren gründeten, da ging es vor allem um den Austausch untereinander“, erzählt Roland Melcher, „wir fachsimpelten über Zündmechanismen und Gefahrenschutz.“ Gefachsimpelt wird immer noch, wenn sich die Kanoniere zum Böllern treffen. Aber bei einem Blick ins große Zelt drängt sich noch ein anderer Eindruck auf: Kanoniere sind gesellig. Während einer die Gitarre aus dem Gepäck geholt hat, stimmt ein anderer an – und plötzlich singen alle mit und die Klänge von „Wir lagern vor Madagaskar“ mischen sich zwischen das Donnern der Kanonen. Eine andere Gruppe hat neben ihren historischen Kostümen gleich ein eigenes Zelt mitgebracht und verbringt die Mittagspause am Lagerfeuer. Denn genau eine Stunde lang schweigen die Kanonen am Mittag. Die Rohre sind frei, die Zuschauer können auch mal den Blick von vorne wagen. Um Punkt 13.30 Uhr geben die Gastgeber dann einen lauten Startschuss ab. Das Kommando für viele, die Kanonen wieder zu stopfen. Besucher, die jetzt noch keinen Gehörschutz haben und bei jedem Schlag zusammenzucken, werden versorgt. Und manch ein Zuschauer macht sich auf die Suche nach einem guten Platz fürs Fotografieren. Kleine Kanonen, große Kanonen, Böller: Ordentlich Krach und Rauch machen sie alle. Sehr zur Freude der Besucher.Um 16 Uhr wagen die 30 Gruppen dann das höchst mögliche Maß an Zusammenarbeit. Alle Kanonen werden miteinander verbunden und mit einem Ruck an der Zündschnur beginnt das Spektakel: Es feuert aus allen Rohren.

Von Theresa Demski

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