Der Maler, Bildhauer und Grafiker Godwin Hoffmann hinterlässt 3000 bis 5000 Kunstwerke

„Alles, was er machte, war genial“

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Symbolhaft wirkende Zeichnungen gehören zu dem 3000 bis 5000 Werken Godwin Hoffmanns. Unser Bild zeigt rechts den jüngeren Bruder Alfred T. Hoffmann in Bad Arolsen.

Bad Arolsen - Namhafte Künstler wie Christian Daniel Rauch oder Wilhelm von Kaulbach sind in Arolsen zur Welt gekommen. Der Maler, Bildhauer und Grafiker Godwin Hoffmann hat hier seine letzte Ruhestätte gefunden.

Einen Monat ist es her, dass der renommierte Künstler nahe seiner neuen Wahlheimat Berlin im Alter von 68 Jahren unerwartet verstarb. Vier Tage zuvor hatte Godwin Hoffmann noch seinen in Bad Arolsen lebenden Bruder und dessen Familie besucht, um seine neugeborene Großnichte kennenzulernen. „Es gab keinerlei Anzeichen, dass es ihm nicht gut ging“, erzählt Alfred T. Hoffmann von dem letzten Treffen mit seinem älteren Bruder.

Allzu häufige Gelegenheit, sich zu sehen, hatten die Brüder in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Bereits 1973 hatte sich der in Büchenbeuren geborene Godwin Hoffmann in Frankreich niedergelassen und dort fast vierzig Jahre gelebt. Zuerst in Strasbourg, später im elsässischen Dorf Neuwiller-les-Saverne widmete sich Hoffmann seiner malerischen und grafischen Arbeit und unterrichtete bis 1999 an grenznahen deutschen Gymnasien. Doch seine wahre Leidenschaft gehörte der Kunst. Waren die Werke seiner Frühphase noch gegenständlich gehalten, wurden die Darstellungen bald immer abstrakter. Häufig eine geometrische Strenge ausstrahlend, erscheinen Hoffmanns Bilderserien und Skulpturen mal in ausgeprägter Farbigkeit, dann wieder in rein schwarzer Kohle, mit den Finger aufs Papier gebracht. Mit der Kunstauffassung eines Joseph Beuys, der in Hoffmanns Studienzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrte, habe Godwin Hoffmann dagegen nie etwas anfangen können, erinnert sich sein Bruder.

„Es geht bei ihm immer um räumliche Wirkungen“, beschreibt der Arolser das Wirken Godwin Hoffmanns, der überdies ein „genialer Zeichner“ gewesen sei, was die abstrakten Kompositionen häufig nur erahnen lassen. Als begeisterter Jazzmusiker und Saxofonist sei bei ihm auch auf den Bildern alles „in Bewegung“ gewesen. „Alles, was er gemacht hat in seiner Kunst, hat er genial gemacht“, fasst der Jüngere das Schaffen seines verstorbenen Bruders zusammen.

Für den Arolser steht nun unter anderem die Sichtung des künstlerischen Nachlasses an. Eine große Aufgabe, da der Bestand, so schätzt Alfred T. Hoffmann, zwischen 3000 bis 5000 Kunstwerke umfasst. Teils im Elsass, teils in Berlin sowie in diversen, noch laufenden Ausstellungen befinden sich die Werke des unermüdlichen Künstlers.

Seine letzte Ruhe hat Godwin Hoffmann indessen in der Nähe des deutschen Zweigs seiner Familie gefunden. Hoffmanns eigene Kinder leben über Frankreich verstreut. Im Ruheforst bei Helsen wurde der Künstler daher am Wochenende beigesetzt. Dies sei auch noch aus weiteren Gründen naheliegend gewesen, erklärt Alfred T. Hoffmann. In seinen Bildern habe Godwin immer versucht, Grenzen zu sprengen. Da sei es schon sinnbildlich für einen Künstler, durch die Beisetzung an der Wurzel eines Baumes selbst wieder zu einem Teil der Natur zu werden. Zudem habe Hoffmann das „Kunststädtchen“ Arolsen seit langem gekannt und geschätzt. „Mehrere Künstlerkollegen haben sich schon angekündigt, die die Grabstelle besuchen wollen“, kann Alfred T. Hoffmann berichten.

Das künstlerische Wirken Godwin Hoffmanns hat seinen Abschluss gefunden. Wie das Werk, das über Jahrzehnte mit zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa und den USA gewürdigt wurde, künftig zu bewerten ist, „das wird die Zukunft zeigen“, sinniert Hoffmann. Für Ende September sei bereits eine Art Retrospektive in Strasbourg geplant. Ob Godwin Hoffmanns Werk bald vielleicht auch in einem der Arolser Museumshäuser ein Forum findet, das wird sich ebenfalls erweisen.

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