Loriot-Abend des Statt-Theaters Mengeringhausen

Vom alltäglichen Wahnsinn

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Den alltäglichen Wahnsinn des deutschen Spießbürgers auf den Punkt gebracht: Mit sechs Loriot-Abenden zelebriert das Statt-Theater Mengeringhausen eine tolle Hommage an den Altmeister des Humors.

In den Sketchen Loriots, so zeigte die Resonanz bei der ausverkauften Premiere im Theaterladen, können sich die meisten bis heute problemlos wiederfinden. Eine schöne Einstimmung lieferte die Verwirrung an der „Opernkasse“ um Siegfried oder Martha, Reihe sieben, acht oder auch, bitteschön, „erste Reihe Mitte“. Ähnliches hat jeder schon mal in einer beliebigen Warteschlange erlebt. In seinen „Evergreens“ der deutschen Comedy hat Vicco von Bülow alias Loriot dem pedantischen, neurotischen und verklemmten Deutsche auf unnachahmliche – und unnachahmlich komische – Weise ein Denkmal gesetzt. Da wird jede Gelegenheit zur ausufernden Grundsatzdiskussion genutzt, ob man sich gerade am Frühstückstisch, beim netten Essen mit Bekannten oder in der Hotelbadewanne befindet. Treffend hat der Humorist auch die Riege seiner weltfremden Fachidioten skizziert. Da wird eine angespannte politische Lage als erfreulich verkaufsfördernd für einen Atomschutzbunker eingeschätzt. Vor lauter Begeisterung für die vielseitig einsetzbare Feuerspritze „H.S. Zwo“ brennt unbemerkt das Haus ab, und der Politiker mokiert sich über die „skandalöse Unausgewogenheit der TV-Berichterstattung“, kam seine Partei in dreißig Beiträgen doch ganze drei Sekunden kürzer zu Wort als die Gegenseite. Unschlagbar witzig in Vorlage und Umsetzung kommen auch die Dialoge zwischen Mann und Frau daher, wenn es um die Kleiderwahl („Komplimente helfen mir im Moment überhaupt nicht“), die Feierabendgestaltung – wohlgemerkt ohne Fernseher – oder um den hochkomplizierten Akt des ehelichen Kusses geht. Die Arbeitsverteilung der Ehepartner ist da schon deutlicher getrennt: er geht in die Firma, sie macht ihr Jodeldiplom. Auch Frauen brauchen schließlich eine sinnvolle Aufgabe! „Typisch Mann“, war zwischen Lachsalven so manches Mal aus den Zuschauerreihen zu vernehmen.„Ist das eigentlich Realität oder Fiktion?“, fragte sich nicht nur der zweite Theatervorsitzende Mario Müller nach der umwerfenden Premiere, die mit wenig Requisiten und jeder Menge Spielfreude der acht Akteure überzeugte. Für die Vorstellungen am 4., 5., 11. und 12. April gibt es nur noch wenige Karten. (sim)

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