Weltgebetstag führt im Waldecker Land nach Ägypten

Alte Hochkultur und brodelnde Gegenwart

Bad Arolsen - „Willkommen in Ägypten!“ - Im Waldecker Land wurden gestern die Weltgebetstagsgottesdienste unter dem Motto „Wasserströme in der Wüste“ gefeiert.

Orientalische Melodien, Geschichten über das historische und das heutige Ägypten und nicht zuletzt als kulinarische Spezialität ein Eintopf aus roten Linsen brachten die Besucher des Weltgebetstagsgottesdienstes in der Kapelle des Waldeckschen Diakonissenhauses gestern dem nordafrikanischen Land näher. Eine Gruppe engagierter Frauen hatte die Veranstaltung vorbereitet, die Informationen über das vom Umbruch gekennzeichnete Land bot. „Wir reihen uns ein in die leuchtende Kette der Weltgebetstagsfeiern rund um die Erde“, freute sich Schwester Marlies Grüber über den Einsatz von Frauen aus der katholischen, der evangelischen und der Freien evangelischen Gemeinde bei der Gestaltung des Gottesdienstes. Vorbereitet wurde die Agenda bereits vor drei Jahren in Ägypten, wo Christen etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Von den 85 Millionen Einwohnern, die auf der eine Million Quadratkilometer (Deutschland: 366 000 qkm) großen Landesfläche vorrangig im fruchtbaren Niltal leben, sind 90 Prozent Muslime, der Rest sind vorwiegend koptisch-orthodoxe Christen. Ihre Situation ist nach dem so genannten „arabischen Frühling“ vor drei Jahren schwierig. Um ihre Lage ging es in den Vorbereitungen zum Weltgebetstag ebenso wie um die Situation der Frauen. Die haben zwar seit 2000 mehr Rechte, doch die Realität sieht noch anders aus. So gibt es trotz des gesetzlichen Verbotes Genitalverstümmelung bei Frauen. Doch die Gesellschaft wandelt sich. So war vor fünf Jahren ein Mann wegen „Anmache“ einer Frau verurteilt worden. Seit 2009 sind 64 von 508 Sitzen im Parlament Frauen vorbehalten. Im Weltgebetstagsgottesdienst verliehen die beteiligten Frauen christlichen Ägypterinnen eine Stimme, die in der Landwirtschaft, in der staatlichen Verwaltung oder als Angehörige einer modernen Mittelschicht den Umbruch miterleben. Das Land ist nach den Umstürzen - Mubarak und Mursi mussten gehen - in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation, was auch den Tourismus als wichtige Erwerbsquelle betrifft. Die medizinische Versorgung ist schlecht, Knapp 55 Prozent der Bevölkerung können schreiben und lesen. Das Land leidet unter einem zunehmenden Wassermangel. Zwar fließt der Nil, mit 6671 Kilometern der längste Fluss der Erde, über 1200 km durch Ägypten und werden in dem Tal mehrere Ernten pro Jahr eingefahren, doch stehen den Menschen pro Kopf und Jahr statistisch nur 1000 Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Die Tendenz ist rapide fallend. Der Rest des Landes ist bekanntlich menschenleere Wüste. Ägypten bietet aber auch dies, wie beim Weltgebetstag deutlich wurde: Stätten einer vergangenen Hochkultur und in der Gegenwart Menschen, die dieses Land in eine Zukunft bringen wollen, die allen Ägyptern eine Chance zum Leben bieten kann.Die Kollekte geht an Entwicklungsprojekte in verschiedenen Ländern.

Kommentare