Ausstellung des Waldeckischen Geschichtsvereins in Bad Arolsen

Alte Karten mit heiteren Geschichten

- Um die spannenden Geschichten hinter den alten Karten des Waldecker Landes zu sehen, bedarf es der Lupe. Mit ihr können sich Interessierte seit Samstag in der Remise des Welcome-Hotels in Bad Arolsen auf eine Reise durch die Zeit machen.

Auf den ersten Blick ist es eine Übersicht über das Waldecker Land – mit seinen Städten, Dörfern und Bergen und meist in viel aufwändigerer Darstellung als heutige Atlanten es können. Auf den zweiten Blick aber offenbaren die alten Karten Geschichten – mal dramatische und mal ausgesprochen heitere. Seit Samstagnachmittag können sich Interessierte in der Remise des Arolser Welcome-Hotels auf die Suche nach diesen Geschichten machen. Während einer kleinen Feierstunde übergab Stifter Reinhard Krummel dort insgesamt 26 alte Karten des Waldecker Landes an den Waldeckischen Geschichtsverein. Als „Neu-Waldeck“ entstand Und um den Betrachtern eben jenen zweiten Blick zu ermöglichen, hatte Vereinsvorsitzender Dr. Klaus Wendt den Korbacher Kartenexperten Jörg Eicken dazu gebeten. Und mit ihm gelang dann auch den Laien der Blick hinter Bilder und Muster. Warum wird etwa Corbach plötzlich zu Korbach? Die Antwort findet Eicken bei genauem Hinsehen. Während Justus Moers, der für die älteste Karte von 1575 verantwortlich zeichnet, in seinen eigenen Unterlagen das C an den Anfang stellt, arbeiteten seine Mitarbeiter, die schließlich die Karte herstellten, wohl nachlässig. Sie schrieben „Korbach“ in die Karte und viele übernahmen es in den nachfolgenden Jahrhunderten. Auf ähnliche Weise entstand wohl ein Ort, der als „Neu-Waldeck“ in die Karten einging. „Damals machte Mercator einen entscheidenden Fehler“, erzählte Eicken. Weil er das „N.W“ von Nieder-Waroldern nicht zu deuten wusste, verwandelte er es in „Neu-Waldeck“. Wieder übernahmen es die Generationen nach ihm und so findet sich in vielen Karten ein Ort, den es gar nicht gibt. Erst Jeremias Nicolai räumte damit 1733 auf. Es sind wohl diese Geschichten, die die gestifteten Karten in der Remise lebendig werden lassen. Und so war der Dank des Geschichtsvereins und der Stadt an den Stifter dann auch groß: „Wir freuen uns, dass sie diesen Schatz der Öffentlichkeit zugänglich machen“, lobte Bürgermeister Jürgen van der Horst. Sammelleidenschaft „Es ist das Ergebnis einer langjährigen Sammelleidenschaft, das wir nun in der Remise bewundern dürfen“, befand dann Vereinsvorsitzender Dr. Klaus Wendt und verlieh dem Stifter im gleichen Zuge die goldene Ehrennadel für 40 Jahre Treue zum Geschichtsverein. Die ist umso beeindruckender, weil Reinhard Krummel selbst nie wirklich Zuhause war im Waldecker Land. Die Wurzeln seiner Familie allerdings liegen genau dort. Die Linie der Familie in der heimischen Region ist bis zum Dreißigjährigen Krieg nachvollziehbar.Und eben diese familiäre Verbundenheit ließ Krummel als großen Geschichtsfreund sein Leben lang nach Karten aus dem Waldecker Land Ausschau halten – egal ob er sich als erfolgreicher Geschäftsmann einen Namen machte oder die Welt bereiste. „Und jetzt möchte ich nicht, dass diese Sammlung kaputt geht“, erklärte er während der Ausstellungseröffnung am Samstagnachmittag. Und deswegen sind 26 seiner Karten, die vom 16. bis ins 19. Jahrhundert reichen, ab sofort täglich von 14.30 bis 16.30 Uhr im „Welcome Hotel“ zu sehen. (resa)

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