Fachwerkgebäude aus 17. Jahrhundert im Hessenpark wiederaufgebaut

Alte Kohlgrunder Kirche neu erstanden

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Die alte Kirche zu Kohlgrund ist gut 40 Jahre nach dem Abbruch im Hessenpark Neu-Anspach wieder aufgebaut worden und wird am 7. Oktober feierlich eröffnet.

Bad Arolsen-Kohlgrund - Die alte Kohlgrunder Kirche wird am Sonntag, 7. Oktober, mit einem Erntedankgottesdienst wieder eröffnet - im Hessenpark von Neu-Anspach.

Das Fachwerkgebäude war Ende der 60er niedergelegt und anschließend in das Freilichtmuseum Detmold verbracht worden, das Freilichtmuseum Hessenpark gibt es erst seit 1974. In den 90er Jahren kamen die Einzelteile nach Neu-Anspach, wo die Fachwerkkirche zunächst im Rohbau wieder erstellt wurde. Seither kamen aus dem Arolser Stadtteil immer wieder Anfragen, wann denn das eigentlich besser in das Dorf passende Kirchlein wieder komplett restauriert werde. Die heutige Kohlgrunder Kirche ist ein moderner Sakralbau mit Beton und Glas - und dem Barockaltar von Brützel als wichtigstes Relikt der einstigen Dorfkirche.

Die Sanierung war damals vom Landeskirchenamt aus Kostengründen verworfen worden. Trotz knapper Kirchenkassen würde vermutlich heutzutage einer Renovierung der Vorzug gegeben - ähnlich wie bei der aufwändigen, vor wenigen Jahren abgeschlossenen Restaurierung der Fachwerkkirche im Nachbarort Neudorf.

Aus verschiedenen Gründen sei die abschließende Sanierung im Freilichtmuseum Hessenpark erst im vorigen Jahr begonnen worden, sagte Dr. Ralf Nitschke, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Hessenpark. Das Ergebnis akribischer Restaurierung lässt sich sehen: Inmitten einer Mittelgebirgslandschaft mit Wiesen und Bäumen steht die Kirche, der Weg wird demnächst durch Linden gesäumt.

Die Vollendung der seit dem Ende der 90er Jahre im Rohbau erstellten Kirche ist mit detektivischer Suche nach Teilen verbunden gewesen. Da das Gotteshaus in der sogenannten Baugruppe Nordhessen in den Zeitabschnitt 1950er Jahre eingebunden werden soll, wurde Wert auf die Installation der damals üblichen elektrischen Aufputzleitungen gelegt. Doch die bis ins Jahr 1929 zurückdatierende Original-Elektroinstallation war nach dem Abbruch nicht mehr vorhanden.

Erfolglos blieb die intensive Suche nach der früheren Orgel, auch die Witwe des Instrumentenbauers, der die Orgel von 1850 ausbaute, konnte nichts mehr über den Verbleib sagen. So wird ein Bild des Orgelprospekts auf Banner gedruckt. Genauso wird zunächst mit dem 2,60 Meter breiten und vier Meter hohen Barockaltar verfahren: Bei der Eröffnung werden die Kohlgrunder in den gleichen Maßen ein auf Banner gedrucktes altes Bild sehen. Die Vorlage bildete eine Glasplattenfotografie aus den 30er Jahren. Das Altargitter wurde von einem Holzbildhauer neu geschnitzt. Erst nach der Eröffnung wird die Kopie der Tafel mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Kohlgrunder fertig werden. Wie das Original, soll auch die nachgearbeitete Steinplatte mit einem Holzrahmen neben der Kanzel aufgehängt werden.

Bei der Farbgebung innen orientierten sich die Restauratoren an den Spuren aus den 30er und 50er Jahren. So werden die Wände in Altrosa gehalten sein. Neben den Fachleuten vom Bauhof des Hessenparks waren externe Experten in die Restaurierung einbezogen worden. Wie teuer der Wiederaufbau ist, konnte Nitschke noch nicht sagen, die Schlussabrechnung stehe noch aus.(ah)

Der Hessenpark ist eine dem hessischen Finanzministerium unterstellte Landes-GmbH. Neben den Landeszuschüssen werden die Einnahmen aus dem Besucherbetrieb zur Finanzierung genommen. Im vorigen Jahr wurden allein 184000 zahlende Besucher registriert, schätzungsweise 70000 besuchten zudem den vorgelagerten eintrittsfreien Marktplatz.

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