Bad Arolsen

Alte Medikamente bleiben ein Problem

- Bad Arolsen (resa). Bereits im Sommer kündigte das Abfallunternehmen den Apothekern den Dienst. Seitdem wird nach einer neuen Lösung zur Entsorgung von Medikamenten gesucht. Bisher ohne Erfolg.

Meike Gerhard-Eiben in Gembeck ist ratlos. Inzwischen häufen sich kleine Berge von Medikamentenschachteln, Pillendosen und Asthmageräten auf ihrem Tisch. „Meine Apotheke nimmt die alten Medikamente nicht mehr an“, beklagt sie. Und das nicht ohne Grund: Seit vergangenem Sommer nämlich stehen auch die Apotheker vor einem Rätsel. Damals kündigte das Kölner Abfallunternehmen Remedika den Apothekern den Dienst (wir berichteten). Einmal im Monat hatten die Müllexperten bis dahin die Apotheken im Landkreis angefahren und die großen Tüten mit Sondermüll abgeholt, ohne dafür Gebühren zu erheben – das System funktionierte bundesweit. Dann wurde den Kölnern der Service aber zu teuer, von heute auf morgen stellten sie ihren Dienst ein. Die Apotheker standen plötzlich vor Müllbergen und mussten sich selber um die Entsorgung kümmern. Und die kostet Geld. Also beschlossen einzelne Apotheker, künftig keine alten Medikamente mehr anzunehmen, und hofften auf ein sinnvolles Nachfolgemodell. Der Apothekerverband, die Pharmaindustrie und die Politik begannen zu verhandeln. „Wir hoffen auf eine Lösung noch Ende 2009“, hatte der Korbacher Apotheker Franz Kirchner damals hoffnungsfroh erklärt und seinen Kollegen aus der Seele gesprochen. Doch die Hoffnungen lösen sich nun fürs Erste in Luft auf: „Die Verhandlungen auf Bundesebene sind gescheitert“, erklärte Sarah Isenberg von der Hof-Apotheke in Bad Arolsen. Nun werde auf Landesebene nach einer Lösung gesucht. Bis die für Hessen gefunden ist, haben sich viele Apotheker im Landkreis bereit erklärt, die alten Medikamente trotzdem anzunehmen. „Das ist ein Service, den wir auch aus Sicherheitsgründen anbieten“, sind sich Wolfgang Heyden von der Kur-Apotheke und Ute Liebach von der Hof-Apotheke in Bad Arolsen einig. Also haben sie jeweils einen kleinen Lagerraum für die ausrangierten Schachteln der Kunden eingerichtet. „In regelmäßigen Abständen entsorge ich die Medikamente dann kostenpflichtig über den Sondermüll“, erklärt Wolfgang Heyden. Ute Liebach hat auf eigene Kosten ein neues Entsorgungsunternehmen angestellt. „Wir raten unseren Kunden dringend davon ab, ihre alten Medikamente über den Hausmüll zu entsorgen“, betont sie. Das ist rechtlich zwar nicht verboten, birgt aber viele Gefahren. „Kinder könnten die bunten Pillen schnell mal für Smarties halten“, weiß die Apothekerin. „Und wenn die Stoffe ins Grundwasser gelangen, ist das auch nicht gesund“, fügt Kollege Heyden hinzu. Beide Apotheker bitten aber darum, Papierschachteln und Beipackzettel bereits vor der Abgabe der Medikamente in der Apotheke über das Altpapier zu entsorgen.Patienten wie Meike Gerhard-Eiben bleibt also nur eines übrig: sich auf die Suche nach Apotheken zu machen, die die fachmännische Medikamentenentsorgung auch weiterhin kostenlos anbieten.

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