Jürgen Damm wird nach 13 Jahren als Prädikant verabschiedet

Der „alte Oberst“ auf der Kanzel

Oberst a. D. Jürgen Damm ist seit 13 Jahren Prädikant und wird am 27. April aus der Funktion verabschiedet. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen/Twistetal - Seinen Talar wird der Prädikant Jürgen Damm wohl noch nicht in den Schrank zurückhängen. Auch wenn der ehemalige Bundeswehroffizier mit Erreichen des 76. Lebensjahres am 27. April aus dieser Funktion verabschiedet wird.

Das offizielle Ende der Beauftragung durch den Bischof sehen die Regeln der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck vor. Das Ehrenamt kann normalerweise bis zum 70. Lebensjahr ausgeübt werden, die Amtszeit kann aber auf Antrag des Kirchenkreisvorstands um sechs Jahre verlängert werden.

Dennoch wird der seit 13 Jahren in Nordwaldeck als ehrenamtlicher Prediger aktive Arolser im Rahmen der Möglichkeiten im Talar predigen und Andachten halten.

Umfassende Ausbildung

Seit der Konfirmation ist Jürgen Damm mehr oder weniger aktiv in der Kirche: So war er in Korbach in der Jungschar engagiert, und nach seinem Eintritt in die Bundeswehr hatte er als Offizier eng mit den Militärseelsorgern zusammengearbeitet.

„Mein Glaube hat sich über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt“, blickt Damm zurück. Ab 1998 war er als Lektor im Waldecker Land ehrenamtlich tätig. Schließlich wurde er für den ehrenamtlichen Dienst eines nicht ordinierten Predigers vorgeschlagen. Das Kirchenrecht schreibt eine einjährige Ausbildung vor. Dazu zählen Wochenendseminare sowie Kolloquien zum Beginn und zum Abschluss dieser „Lehre“. Die Ausbildung ist umfassend, sie beinhaltet das Verfassen einer Predigt, das Auftreten im Gottesdienst und die liturgische Präsenz.

Die Verantwortlichen in der Landeskirche haben sich 1970 dazu durchgerungen, nicht ordinierte Laien nach entsprechender Ausbildung zur Wahrnehmung der Aufgaben der hauptamtlichen Pfarrer zuzulassen und die entsprechenden Vorschriften ins Kirchenrecht aufzunehmen. Zu den Aufgaben des ehrenamtlichen Prädikanten gehören die freie Wortverkündigung und die Sakramentverwaltung. Dazu zählen Abendmahl, Taufen, Trauungen und Beerdigungen.

Im Unterschied dazu sind die Lektoren auf das Verlesen vorgefertigter Predigten eingeschränkt, sie tragen auch keinen Talar. Ihnen wird eine „angemessene Kleidung“ empfohlen.

In Krankenhäusern

Zu Beginn seiner Prädikantenzeit hat sich Damm von Bad Arolsen umpfarren lassen nach Mühlhausen, wo er nun im Kirchspiel Oberes Twistetal-Helmscheid aktiv ist. Mit Mühlhausen ist er durch seine früheren Kontakte als Bataillonskommandeur in Mengeringhausen eng verbunden.

Allein im vorigen Jahr hat Jürgen Damm 125 Gottesdienste gehalten, darunter in Vertretung des erkrankten Twister Pfarrers in der Senioren-Residenz sowie in den Krankenhäusern in Arolsen und Korbach. Auch außerhalb des Kirchenkreises, etwa in Calden, Ehringen, in Nieder- und Ober-Werbe sowie in Basdorf, hielt er Predigten.

Führungen auf Friedhöfen

Ein Höhepunkt war der Hubertus-Gottesdienst zusammen mit Pfarrer Hohmeister im Mais-Labyrinth in Basdorf. Bewegend waren für ihn vor allem die Beerdigungen, bei denen er auch Abschied von langjährigen Weggefährten und alten Kameraden aus der Bundeswehrzeit nehmen musste und den Angehörigen Trost spendete.

Man glaubt es kaum: Der Terminkalender Damms ist auch nach der offiziellen Zeit als Prädikant mit Andachten gefüllt. So wird er am 1. August in der Friedhofskapelle Arolsen des Beginns des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedenken. In seiner weiteren Funktion als Ehrenvorsitzender des VDK Hessen hat Damm bisher Führungen auf Friedhöfen ausgerichtet, auf denen Gefallene beigesetzt wurden, eine Friedensandacht gehalten oder beim Volkstrauertag gesprochen.

„Der Oberst außer Diensten wird weiter aktiv bleiben“, sagt Damm lächelnd. Einer der nächsten Termine ist ein Familientreffen mit gut 30 Angehörigen seiner Sippe. Nicht zu reden von den weiteren Funktionen, in denen er sich unter anderem für die Belange von Menschen mit Behinderungen einsetzt.

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