Bad Arolsen

Als Amis im Residenzschloss das Sagen hatten

- Bad Arolsen (ah). „Ich war gerne hier und ich habe gute Freunde gewonnen“, berichtet Bob Kerstiens Sr. Nach über 60 Jahren ist der heute 86-jährige Kalifornier zurückgekehrt nach Arolsen, wo er 1947 / 48 für die UNRRA als Chef einer Abteilung für Instandsetzungsarbeiten tätig war.

Die UNRRA, faktisch Vorgängerorganisation des heutigen Internationalen Suchdienstes, war die erste zivile Verwendung des Mannes, nachdem er beim Vormarsch der US-Armee in Deutschland ankam. Mit der 1. US-Armee unter dem Kommando von General Courtney H. Hodges war er bei der Ardennen-Offensive im Einsatz und gehörte zu der ersten Militäreinheit, die den Rhein über die Ludendorff-Brücke bei Remagen überschritten hatte – bevor sie dann einstürzte. Geschichten, über die sich Kerstiens heute nicht mehr so gerne auslässt. An seine Zeit in Arolsen, wo bis in die letzten Kriegsmonate noch die SS stationiert war und nach dem Gründonnerstag 1945 die Amerikaner einmarschiert waren, hat Kerstiens jedoch eher positive Erinnerungen. Die UNRRA siedelte in Arolsen an und kümmerte sich nach dem Krieg in Deutschland um die Rückführung der Displaced Persons, also ehemaliger Zwangsarbeiter oder anderer Gefangener. Kerstiens, der im Rang eines Master Sergeant von der Armee abgegangen war, wurde Chef von 175 bis 200 Bediensteten, die die örtliche Infrastruktur in Ordnung gehalten hatten. Neben Deutschen waren dies Russen, Polen oder Ukrainer. In leitender Funktion waren auch Deutsche im Einsatz. Zu den Aufgaben gehörte auch die Sicherung der Stromversorgung. Die war nach Auskunft von Kerstiens zusammengebrochen, und mithilfe mehrerer Dieselgeneratoren gingen in ganz Arolsen wieder die Lichter an.

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